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Hochuli Freund
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31.7.17 S. 54
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Teil 1 Konzeptionelle Grundlagen
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In Sekundenschnelle handlungsfähig werden
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dank ›intelligenter Vermutungen‹ (Gigerenzer)
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In einer Zeit, die geprägt ist von Krisen unterschiedlichster Art und grosser Ungewissheit, gelten Risikokalkulationen als das Mittel der Wahl, um angesichts
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komplexer Probleme begründete Entscheidungen treffen zu können, konstatiert
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Gerd Gigerenzer, mit Blick insbesondere auf Medizin und Bankenwesen. Dies
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führe häufig zu defensivem Entscheiden, zu mehr Regeln und Gesetzen, zu grösserer Bürokratie (vgl. Gigerenzer 2014:11, 61). Er plädiert demgegenüber für
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›einfache Lösungen‹ und unterscheidet zwischen Risiko und Ungewissheit. Risiken seien auf Vergangenheit bezogen, es handle sich um bekannte Gefahren,
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deren Einfluss und Wahrscheinlichkeit mit Hilfe von Statistik berechnet und zu
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komplexen Risikomodellen verdichtet würden, die dann als Basis für Entscheidungen dienen können. Auf die Zukunft bezogen hingegen herrsche Ungewissheit, manche Risiken seien unbekannt; Wahrscheinlichkeitsberechnungen würden hier zu kurz greifen, gute Entscheidungen verlangten vielmehr nach
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Intuition und klugen Faustregeln. Auch bräuchten komplexe Probleme nicht
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per se komplexe Lösungen, vielmehr gelte es zunächst, nach einfachen Lösungen zu suchen (vgl. ebd.:38f., 59).
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Eine ›heuristische Strategie‹ ist die Suche nach einer möglichst einfachen Lösung für ein komplexes Problem (vgl. ebd.: 47, 380). In einem Forschungsprogramm über ›simple heuristics‹ oder ›fast-and-frugal-heuristics‹ (also: einfache,
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schnelle, sparsame Lösungsfindung) hat eine Gruppe um Gigerenzer diesen Zugang seit den 1990er Jahren empirisch fundiert (vgl. Gigerenzer et al. 2011:
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xvii). Die Forschungsgruppe geht davon aus, dass das kognitive System eines
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Menschen auf einer ›adaptive toolbox‹, einem anpassungsfähigen Werkzeugkasten beruht (Gigerenzer/Brighton 2011:2). Dieser Werkzeugkasten enthält
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verschiedene einfache Entscheidungsfindungsstrategien – Heuristiken, Faustregeln –, mit denen schnelle Lösungen gefunden werden können. »Eine Faustregel
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oder Heuristik ermöglicht uns, eine Entscheidung schnell zu treffen, ohne viel
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Informationssuche und doch mit einem hohen Mass an Genauigkeit« (ebd.:44).
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Faustregeln basieren auf ›intelligenten Vermutungen‹, ›unbewussten Schlussfolgerungen‹, ›intelligenten Schätzungen‹ (vgl. ebd.:64). Faustregeln können sowohl bewusst als auch unbewusst verwendet werden. Letzteres bezeichnet Gigerenzer als ›intuitives Urteilen‹ und definiert:
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»Eine Intuition oder ein Bauchgefühl ist ein Urteil, das 1. unvermittelt im Bewusstsein
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auftaucht, 2. dessen tiefere Gründe uns nicht ganz bewusst sind, 3. das stark genug ist,
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um danach zu handeln.« (Ebd.:46)
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Es handle sich um eine Form unbewusster Intelligenz: »Ein Bauchgefühl zu haben heisst, dass man spürt, was man tun sollte, ohne erklären zu können, warum« (ebd.:143).
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Ein wesentlicher Aspekt einer heuristischen Strategie ist die Fokussierung auf
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ausgewählte Aspekte und die Ausblendung alle anderen Informationen. Dies
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führe zu besseren, schnelleren und sichereren Entscheidungen (vgl. Gigerenzer
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