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• Orientierungsdiagnostik: Zu Beginn eines Falles (oder einer neuen Etappe
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der Begleitung) geht es darum, einen Überblick über einen Fall zu
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gewinnen. Zu den Aufgaben der Orientierungsdiagnostik gehört neben
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einer umfassenden Bestandsaufnahme, einem Überblick über Ressourcen,
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Defizite und Interessen auch ein Risikoscreening.
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• Zuweisungsdiagnostik: Die gezielte, oft problembezogen detaillierte
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Erhebung von Informationen und Einschätzungen enthält oft eine
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Indikationsstellung und will eine Entscheidung bezüglich Einleitung von
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Hilfen oder Zuweisung zu geeigneten Programmen und Angeboten
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vorbereiten und ermöglichen (vgl. ebd.:23).
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• Gestaltungsdiagnostik: Bei der Umsetzung von Hilfen gilt es, gemeinsam
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mit den Klienten(systemen) die Situation immer wieder neu zu
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untersuchen, um den Hilfeprozess weiter auszugestalten, nächste
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Aufgaben bestimmen und Ziele modifizieren oder neu formulieren und
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vereinbaren zu können.
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• Risikodiagnostik ist ein Spezialfall, bei vermuteten akuten Gefährdungen,
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die möglicherweise eine rasche Intervention erfordern (vgl. Heiner
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2013:22 f.).
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Diese vier Funktionen differenziert Heiner durch die unterschiedlichen
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Ausprägungen der Merkmale ›Reichweite der Aussagen (die sich aus der
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Zahl der kategorisierten Phänomene – z. B. Zahl der Lebensbereiche –
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ergibt) und dem Präzisionsgrad der Kategorien (vgl. ebd.:25 f.). Während
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die Orientierungsdiagnostik durch einen breit erfassten Phänomenbereich
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(hohe Reichweite) und einen geringen Detaillierungsgrad (also geringe
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Präzision) gekennzeichnet ist, so verhält es sich bei der Risikodiagnostik
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genau umgekehrt, denn hier wird ein enger Phänomenbereich präzise in
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den Fokus genommen (vgl. auch Buttner et al. 2018:24).
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Anzumerken ist hier, dass sich diese Funktionen auf die analytischdiagnostische Phase im Prozessmodell von Kooperativer Prozessgestaltung
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beziehen (und oft eher dem Prozessschritt Analyse zuzuordnen sind).
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Wenn wir uns ausschließlich auf den Prozessschritt Diagnose beziehen und
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die methodischen Zugänge in den Blick nehmen, dann lassen sich aktuell
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zwei Kategorien von Diagnosemethoden unterscheiden:
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• wissensbasierte Diagnosemethoden, bei denen ein Fall auf der Folie eines
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›Allgemeinen‹ (eines Wissensbestandes) betrachtet und diese
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Wissensbestände genutzt werden, um einen Fall zu erhellen und die
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Fallthematik zu erklären.
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• rekonstruktive Diagnosemethoden, welche mit Hilfe von Techniken der
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qualitativen Sozialforschung aus den Selbsterzählungen von Klienten
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deren Selbstdeutungsmuster und handlungsleitende Sinnstrukturen
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rekonstruieren.
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Das methodische Vorgehen ist bei den beiden diagnostischen Zugängen so
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unterschiedlich, dass es hier nicht allgemein, sondern bezogen auf die
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jeweilige Kategorie in den nachfolgenden Unterkapiteln ( Kap. 10.2 und
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Kap. 10.3) dargelegt wird. Die Bewegung dabei ist die gleiche, wie wir sie
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beim Prozessschritte der Analyse dargelegt haben: Zunächst wird
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