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Hochuli Freund
31.7.17 S. 106
Bedeutung und Funktion von Hypothesen im Konzept Kooperative Prozessgestaltung Ein Vergleich zur Hypothesenbildung in der systemischen Arbeit Raphaela Sprenger-Ursprung Hypothesen als methodische Hilfsmittel sind in der fallbezogenen Sozialen Arbeit weitgehend unbestritten und ihr Einsatz ist weit verbreitet. In diesem Beitrag werden Funktion und Formen von Hypothesen im Konzept Kooperative Prozessgestaltung (KPG) einerseits und in der systemischen Arbeit andererseits untersucht. Es wird geprüft, ob und wie die im Konzept KPG in den beiden Prozessschritte Analyse und Diagnose genutzten Hypothesen mit Hypothesen der systemischen Arbeit verbunden werden können.
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Begriffsklärung und Bedeutung von Hypothesen in der Sozialen Arbeit
Die erstmalige Verwendung des Begriffs Hypothese geht zeitlich bis in die Antike zurück. Bis heute ist in unterschiedlichsten Disziplinen und Professionen von Hypothesen die Rede. Neben dem Einsatz unterschiedlichster Hypothesen in der Fallarbeit kommen Sozialpädagoginnen und Sozialarbeiter – im Rahmen ihrer Aus- und Weiterbildung – insbesondere in der Wissenschaftstheorie und Statistik mit Hypothesen in Berührung, welche sich vom Hypothesenbegriff in der Fallarbeit wiederum unterscheiden.
1.1
Begriffsklärung und Verortung
Der Begriff Hypothese stammt etymologisch aus dem Griechischen hypothesis Unterlage und bedeutet Grundsatz, Grundgedanke, Voraussetzung. Hypo bedeutet unter und thesis das Setzen, was zusammengefügt als Satz, Lehrsatz verstanden werden kann (vgl. www.wissen.de./wortherkunft/hypothese). Neudeutsch wird Hypothese auch als Behauptung übersetzt. Bereits Platon legte im Dialog Phaidon (100a) seinen Untersuchungen Behauptungen zugrunde und bezeichnete das damit im Einklang stehende als wahr, das dem Widersprechende als unwahr (vgl. www.anthrowiki.at/Phaidon). In der Wissenschaftstheorie wird eine Hypothese als Annahme über eine Grundgesamtheit verstanden (vgl. Hartmann/Lois 2015:5). 106