Generated pages/ subfolders for all documents: - arbeit: 386 pages - praxis: 297 pages - EPG: 11 pages Page numbers are 0-based PDF indices matching the book viewer. Extracted using pdftotext.
49 lines
2.8 KiB
Markdown
49 lines
2.8 KiB
Markdown
8.5.2
|
|
|
|
Formen der Beobachtung
|
|
|
|
Es gibt im beruflichen Alltag verschiedene Formen von Beobachtung.
|
|
Zunächst ist zwischen Fremd- und Selbstbeobachtung zu unterscheiden. In
|
|
der Regel wird mit dem Begriff Fremdbeobachtung assoziiert, dass
|
|
Klientinnen von Professionellen der Sozialen Arbeit beobachtet werden. Die
|
|
Tatsache, dass in der Realität auch die Professionellen von Klientinnen
|
|
beobachtet werden, wird nicht nur bei der Begriffsbestimmung meist
|
|
vernachlässigt, sondern auch im Alltag selten genutzt. Neben der
|
|
Fremdbeobachtung gibt es die Ebene der Selbstbeobachtung. Der
|
|
beobachtende Sozialpädagoge oder die Klientin machen es sich zur
|
|
ständigen Aufgabe, das eigene Befinden und die Art der Kommunikation,
|
|
d. h. Emotionen, Handlungen, Reaktionen und Veränderungen bei sich
|
|
bewusst wahrzunehmen.
|
|
Fremdbeobachtung
|
|
Die Fremdbeobachtung von Klienten soll im Folgenden genauer dargelegt
|
|
werden. Sie kann strukturiert oder frei erfolgen. Sozialarbeiter beobachten
|
|
in jeder Interaktion mit Klientinnen mehr oder weniger bewusst deren
|
|
Verhalten; unstrukturierte Beobachtung geschieht im beruflichen Alltag
|
|
dauernd, ohne thematische Beschränkung und meist ohne bewusste
|
|
Reflexion. Wenn irgendein Anlass die Aufmerksamkeit des Professionellen
|
|
weckt, fokussiert sich sein Interesse auf einen bestimmten Punkt, z. B. auf
|
|
ein plötzliches Zucken im Gesicht des Gegenübers. Unstrukturierte
|
|
Beobachtungen ermöglichen, wichtige Informationen aus den direkten
|
|
Begegnungen mit Klientinnen zu gewinnen. Die wahrgenommenen
|
|
Ereignisse, Verhaltensweisen, Reaktionen notieren Sozialpädagoginnen
|
|
häufig im sog. Tagesjournal der Organisation, weniger häufig in den
|
|
offiziellen Klientendossiers.
|
|
Unstrukturierte Beobachtung ist die üblichste Form der Beobachtung in
|
|
der Sozialen Arbeit. Sie kann in jedem Praxisfeld und jedem Setting
|
|
stattfinden und stellt eine sehr wichtige Informationsquelle dar. Allerdings
|
|
sollen sich die Professionellen der Selektivität der eigenen Wahrnehmung
|
|
bewusst sein, den Einfluss von Vorwissen und -annahmen sowie die eigenen
|
|
Gefühle und Befindlichkeit reflektieren und zwischen Beschreibung und
|
|
Interpretation unterscheiden. Deshalb sind in einem zweiten Schritt die
|
|
aufgenommenen Informationen intersubjektiv zu vergleichen und kritisch
|
|
zu reflektieren.
|
|
Systematische, strukturierte Beobachtung erfolgt unter definierten
|
|
Bedingungen. Sie ist beschränkt auf einen zuvor ausgewählten
|
|
Beobachtungsbereich und bedient sich eines bestimmten
|
|
Beobachtungssystems, z. B. eines Beobachtungsschemas oder -bogens.
|
|
Kennzeichen sind planmäßiges Vorgehen und Festschreiben von Ziel und
|
|
Zweck der Beobachtung. Dabei ist der Auswahl der Beobachtungssituation,
|
|
der Lenkung der Aufmerksamkeit auf ausgewählte Aspekte und der
|
|
genauen Festlegung von Zeit und Dauer ein besonderes Augenmerk zu
|
|
schenken. Vorteil ist, dass sich systematische Beobachtungen vergleichen
|