Generated pages/ subfolders for all documents: - arbeit: 386 pages - praxis: 297 pages - EPG: 11 pages Page numbers are 0-based PDF indices matching the book viewer. Extracted using pdftotext.
52 lines
3.1 KiB
Markdown
52 lines
3.1 KiB
Markdown
verstanden werden vor dem Hintergrund der Biografie und der Lebenslage
|
||
eines Menschen bzw. einer Familie bzw. auch der Infrastruktur eines
|
||
Stadtteils. Soziale Arbeit ist einem ganzheitlichen Zugang verpflichtet, der
|
||
Menschen in ihren sozialen Bezügen und ihrer Lebenswelt sieht.
|
||
Professionelles Handeln basiert darauf, dass diese komplexen Problemlagen
|
||
und individuellen Schwierigkeiten erfasst, ›rekonstruiert‹ und ›verstanden‹
|
||
werden, damit fallbezogen eine hilfreiche, angemessene Unterstützung von
|
||
Individuen, Gruppen oder auch Gemeinwesen möglich ist. Interventionen
|
||
können sinnvollerweise also nur auf der Basis einer Diagnose konzipiert
|
||
werden ( Kap. 10). Dennoch ist der Erfolg auch bei einem
|
||
diagnosebasierten Vorgehen nicht garantiert. So verweist der
|
||
Professionssoziologe Klatetzki auf die Tatsache, dass es auch keine
|
||
eindeutige Koppelung zwischen Diagnose und Intervention gibt. Vielmehr
|
||
müsse ein hypothetischer Zusammenhang zwischen Diagnose und
|
||
Intervention hergestellt werden bzw. brauche es mehrere
|
||
Interventionsschlaufen, wobei die Wirkung jeder Intervention beobachtet
|
||
und überprüft werde und als Basis für die nächste Intervention diene (vgl.
|
||
Klatetzki 2005:264 ff.). Auch auf der Basis von Fallverstehen ist es also nur
|
||
eingeschränkt möglich, mit einer Intervention eine bestimmte Wirkung
|
||
erzielen zu können.
|
||
Das Strukturmerkmal der sehr geringen Standardisierbarkeit begründet
|
||
den Status der Sozialen Arbeit als Profession. So halten Dewe/Otto
|
||
(2011:1147) fest, dass professionelles Handeln »hinfällig würde, wenn die
|
||
Möglichkeit einer routinemäßigen Bewältigung der in der jeweiligen
|
||
Handlungssituation liegenden Ungewissheit gegeben wäre«. Dass
|
||
Sozialpädagoginnen in der Lage sein müssen, prinzipiell unter der
|
||
Bedingung von Ungewissheit zu handeln und für die Problembestimmung
|
||
und -bearbeitung keinerlei Rezeptwissen zur Verfügung haben, ist also nicht
|
||
nur große Herausforderung, es macht sie zugleich zu ›Professionellen‹.
|
||
Im aktuellen Diskurs besteht weitgehend Einigkeit über die
|
||
Rahmenbedingung des strukturellen Technologiedefizits und die
|
||
Notwendigkeit von wissensbasiertem Fallverstehen als Basis der
|
||
Konzeption fallbezogener professioneller Unterstützung. Der
|
||
Sonderwissensbestand der Sozialen Arbeit beinhaltet ein breitgefächertes
|
||
Theorie- und Methodenwissen. Professionskompetenz zeigt sich in der
|
||
Fähigkeit zur Verschränkung von wissenschaftlichem und fallbezogenem
|
||
Wissen, in der Nutzung von wissenschaftlichem Wissen zum Fallverstehen.
|
||
Die äußert geringe Standardisierbarkeit des professionellen Handelns ist
|
||
jenes Strukturmerkmal Sozialer Arbeit, das direkt zum Thema dieses
|
||
Lehrbuchs führt und seinen Bedarf begründet. Ein fallbezogenes
|
||
strukturiertes methodisches Vorgehen bei der professionellen
|
||
Unterstützung von Klienten ist unabdingbar. Allerdings betont Galuske
|
||
(2013:67) zu Recht: »Methodisches Handelns in der Sozialen Arbeit hilft die
|
||
konstitutive Unsicherheit erzieherischer Prozesse zu reduzieren, beseitigt
|
||
sie aber nicht. Insofern sind Methoden in der Sozialen Arbeit nicht nur
|
||
darauf ausgerichtet, Unsicherheit zu reduzieren, sondern auch, sie
|
||
›erträglicher‹ zu machen.«
|
||
|
||
3.2.4
|
||
|
||
Koproduktion
|