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Hochuli Freund
31.7.17 S. 99
Kooperation und Multiperspektivität
Interesse auch daran, wie sie selbst ihre Situation sieht das heisst Interesse an
ihrer Perspektive. 13
3.2
Kooperative Prozessgestaltung: gemeinsam mit
Klientinnen und Klienten
Der Aufbau einer Arbeitsbeziehung mit einer Klientin ist die Basis für die gemeinsame, aufgabenbezogene und zielorientierte Arbeit, für die kooperative
Gestaltung eines Unterstützungsprozesses also. Das Prozessgestaltungsmodell
des Konzepts KPG (Hochuli Freund 2015:136, abgebildet auch im Aufsatz von
Hochuli in diesem Band, Abb. 14) unterscheidet neben verschiedenen Prozessschritten auch zwei Kooperationsebenen: die Kooperation auf der Fachebene
(äusserer Kreis im Modell14) und die Kooperation mit Klientinnen und ihren
Bezugssystemen (innerer Kreis). Dieser innere Kreis des Modells verweist auf
die Notwendigkeit des kontinuierlichen Einbezugs von Klienten während aller
Phasen einer Prozessgestaltung. In den einzelnen Prozessschritten stehen unterschiedliche methodische Möglichkeiten offen.
Die Situationserfassung (vgl. ebd.:151ff.) gemeinsam mit einem Klienten
vorzunehmen, bedeutet, Informationen im Gespräch mit ihm direkt einzuholen,
seine Geschichte zu erfahren: das, was aus seiner Sicht wichtig war und ist (früher, heute). Ob diese Geschichte objektiv wahr ist (oder aber Lügen enthält
wie bei Wickhams Erzählung gegenüber Elizabeth in Pride and Prejudice, siehe 1.1), ist zunächst nicht von Bedeutung: Es ist seine Geschichte, so wie er sie
der Sozialpädagogin im Moment erzählen will und die Auswahl und Ausgestaltung der Geschichte ist geprägt von persönlichen Motiven. Ziel einer Situationserfassung ist nicht nur, dass die Professionelle der Sozialen Arbeit einen
ersten Eindruck und ein Gesamtbild der Situation erhält, sondern auch der Klient selbst.
Der Prozessschritt Analyse (vgl. ebd.:177ff.) beinhaltet, themenbezogene Einschätzungen und Beurteilungen einzuholen, um herauszuarbeiten, worum genau es in einem Fall geht (Fallthematik). Dies kann mit Hilfe von (teil-)standardisierten Instrumenten erfolgen z. B. zur Einschätzung von Schwierigkeiten/
Einschränkungen und Ressourcen/Kompetenzen15 oder aber mit offenen Analysefragen, nach Ressourcen und Schwierigkeiten, beispielsweise nach Vordringlichem und Wünschenswertem. Für unser Thema der Multiperspektivität
raten? 2. Wie komme ich da wieder heraus?« Diese Fragen lassen sich als Einladung
lesen, die eigene Sichtweise zu formulieren.
13 Klienten selber nannten echtes Interesse, Wertschätzung der Person, Betonung der
Ressourcen, aktives Zuhören und Ernstnehmen ihrer Anliegen, Bedürfnissen und
Wünschen als hilfreich, ebenso das einfühlende Bemühen einer Sozialarbeitern, sie ihn
ihrem Eigensinn und ihrer Selbstsicht zu verstehen (Hochuli Freund/Stotz 2006).
14 Dass und wie dieser äussere Kreis für die aufgabenbezogene und zielorientierte Gestaltung der interprofessionellen Kooperation genutzt werden kann, wurde unter 2.3 kurz
skizziert.
15 Wie beispielsweise bei der Kompetenzanalyse von Cassée (2010).
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