Generated pages/ subfolders for all documents: - arbeit: 386 pages - praxis: 297 pages - EPG: 11 pages Page numbers are 0-based PDF indices matching the book viewer. Extracted using pdftotext.
34 lines
3.4 KiB
Markdown
34 lines
3.4 KiB
Markdown
Hochuli Freund
|
||
|
||
31.7.17 S. 81
|
||
|
||
KPG als Beitrag zum ethischen Handeln in der Sozialen Arbeit
|
||
|
||
sen die ethischen Maximen, die dem diagnostischen Prozess zugrunde liegen,
|
||
kennen und im Prozess wiederfinden, um sich eine autonome Meinung darüber
|
||
bilden zu können, ob und inwiefern dieses diagnostische Verfahren zu ihrem
|
||
guten Leben und idealerweise zum guten Leben aller beiträgt.
|
||
Ursula Hochuli Freund und Walter Stotz gelangen, ausgehend von ihren
|
||
konzeptuellen Überlegungen zu professionellem Handeln und sozialer Diagnostik, zu einem Prozessmodell, in dem der diagnostische Prozess in vier Handlungsschritte aufgegliedert wird: Situationserfassung, Analyse, Diagnose und
|
||
Zielfindung (vgl. Hochuli Freund/Stotz 2015:138). Jeder dieser vier Schritte
|
||
wird theoretisch erläutert – zusätzlich aber auch mit konkreten, methodischen
|
||
Handlungs- und Reflexionsvorschlägen gefüllt. Die Entscheidung, welche Methoden fallspezifisch angewendet werden, bleibt nach wie vor in der Verantwortung der Professionellen der Sozialen Arbeit. Die Aufgliederung in vier Teilschritte aber fordert zur Reflexion des eigenen Vorgehens auf, und explizite
|
||
Vorschläge für ›Evaluationsfragen‹ steuern die Qualität dieser Reflexion. So
|
||
wird zum Schritt Situationserfassung beispielsweise gefragt: »War die Wahl der
|
||
Erfassungsmethoden den Bedingungen und Erfordernissen des Falles angemessen?« (ebd.:174); hinsichtlich der Analyse sollen die Professionellen u. a. darüber nachdenken, ob die Klientenperspektive angemessen und differenziert
|
||
berücksichtigt wurde (ebd.:212), um sich dann zum Abschluss des Diagnoseschrittes der Frage zu stellen, ob es gelungen sei, »die diagnostischen Erkenntnisse in angemessener Weise in den dialogischen Verständigungsprozess mit
|
||
dem Klienten(-system) einzubringen« (ebd.:250).
|
||
Diese kleine Auswahl an Evaluationsfragen zeigt: Trotz der durch das Modell vorgegebenen Struktur geht es auch innerhalb der einzelnen Teilschritte
|
||
nicht um pragmatische, sondern durchwegs um moralische Entscheidungen mit
|
||
massgeblichem Einfluss auf die Lebensqualität, das Wohlergehen und das gute
|
||
Leben anderer. Und diese Entscheidungen sind von den Professionellen der Sozialen Arbeit in jedem Handlungsprozess und in Bezug auf jeden Fall neu
|
||
ethisch zu reflektieren – die Kriterien hierzu finden sie im ersten, konzeptuellen
|
||
Teil des Lehrbuchs. Wer sich ernsthaft am Konzept und am Modell KPG orientiert, kommt um die ethische Reflexion nicht herum, denn jede von den Professionellen zu fällende methodische Entscheidung bedingt ein Abwägen von Zielen und den Einbezug der berechtigten Interessen aller Beteiligten.
|
||
In der oben erwähnten Fallbesprechung an der Hochschule für Soziale Arbeit
|
||
FHNW zu dem neunjährigen Knaben mit multipler ›Time-out‹-Erfahrung
|
||
wurden die diagnostischen Prozessschritte Analyse und Diagnose nach KPG
|
||
erarbeitet. Im Rahmen der Analyse stellte die Studierendengruppe anhand eines Zeitstrahls fest, dass das Kind bis zu jenem Zeitpunkt in fast einem Dutzend unterschiedlicher familiärer Konstellationen bzw. professioneller Einrichtungen gelebt hatte. Sehr schnell wurde auf Grund der theoriegeleiteten
|
||
Diagnose deutlich, dass eine handlungsleitende Arbeitshypothese in die Richtung gehen müsste, dem Knaben Kontinuität in einem verlässlichen und vertrauensvollen Umfeld zu bieten, in dem er so anerkannt und gewollt ist, wie
|
||
er ist. Die Diskrepanz der Ergebnisse des diagnostischen Prozesses zum oben
|
||
81
|