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Hochuli Freund
31.7.17 S. 76
Teil 1 Konzeptionelle Grundlagen
Probleme der Gesellschaft darstellen (vgl. z. B. Oevermann 2011:88). Professionelles Handeln hat also immer eine moralische Qualität. Das Auffinden des moralisch Richtigen unter all den unterschiedlichen Moralen, die in den komplexen Problemsituationen Sozialer Arbeit aufeinanderprallen, ist anspruchsvoll. Es bedingt ethische Reflexion – also das kritische Nachdenken darüber, was denn über historische, kulturelle, religiöse und soziale Grenzen hinweg als das Allgemein Gute oder das Allgemein Richtige betrachtet werden kann. Es gilt, sich einen Moment Zeit zu nehmen, sich hinzusetzen und zu überlegen: • »Wie wollen wir miteinander umgehen?« • »Wie sollte man in dieser Situation handeln, sodass dieses Handeln dem guten Leben aller Beteiligter dient?« Das Ergebnis dieser ethischen Reflexion kann dann als Folie für die Reflexion und Überprüfung der unterschiedlichen aufeinanderprallenden Moralen genutzt werden. Als Fazit hinsichtlich des Zusammenhangs von Ethik, Moral und Professionalität lässt sich konstatieren: Moral steht nicht im Widerspruch zu Professionalität, sondern ist ihr konstitutiver Bestandteil. Der Professionsauftrag Sozialer Arbeit, bedingt moralische Entscheidungen und moralisches Handeln, da sich die Funktion von Professionen immer auf das Wohlergehen anderer bezieht. Allerdings kann von einer professionellen Qualität von Handlungsentscheiden und -vollzügen erst dann gesprochen werden, wenn die ihnen innewohnenden moralischen Begründungen auf der Basis professionsethischer Kriterien ethisch reflektiert wurden.
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Kooperative Prozessgestaltung als Unterstützung ethischer Reflexion
Im Konzept KPG formulieren Ursula Hochuli Freund und Walter Stotz hohe ethische Ansprüche an die sozialarbeiterische und sozialpädagogische Arbeit. Konzept und Modell KPG verstehen sich als »Antwort auf die speziellen Anforderungen in der Sozialen Arbeit, die durch die konstitutiven Rahmenbedingungen professionellen Handelns charakterisiert sind« (Hochuli Freund/Stotz 2015:17). Damit ist zwingend auch die ethische Reflexion als konstitutiver Bestandteil professionellen Handelns gemeint. Die Kriterien dieser ethischen Reflexion sind aber nicht beliebig, sondern werden im Konzept klar definiert (vgl. ebd.:68ff.). Dabei berufen sich die Autoren auf anerkannte ethische Normen in der Sozialen Arbeit wie z. B. die Menschenwürde, Menschenrechte und Solidarität. In den folgenden Kapiteln soll nun überprüft werden, inwiefern unterschiedliche Elemente des Konzepts KPG darüber hinaus ethische Reflexion und 76