Generated pages/ subfolders for all documents: - arbeit: 386 pages - praxis: 297 pages - EPG: 11 pages Page numbers are 0-based PDF indices matching the book viewer. Extracted using pdftotext.
2.7 KiB
verkürzen, einzelne Prozessschritte vertiefter anzugehen in einem nächsten Prozesszyklus.
7.3.2
Zeitliche Dimensionen
Am Anfang professionellen Handelns steht ein Auftrag ( Kap. 8.1). Dieser Auftrag kann sehr unterschiedlich sein hinsichtlich der sich daraus ergebenden Aufgabe(n), der Komplexität, der Größe der beteiligten Systeme und dem zeitlichen Umfang. So kann ein 85-jähriger Mann eine Beratungsstelle für Altersfragen aufsuchen und die dort leitende Sozialarbeiterin bitten, ihn beim Eintritt ins Altenheim zu unterstützen. Sie vereinbaren drei Beratungsgespräche, in denen die wichtigsten Abklärungen getroffen werden, um den Eintritt in die Wege zu leiten. In einem speziellen Fixerraum kommen suchtkranke Menschen schnell vorbei, holen sich ihre Utensilien, tauschen möglicherweise ein paar Worte mit der Sozialarbeiterin und verschwinden wieder. Eine 42-jährige Frau tritt nach dem Tod ihrer Mutter in ein Wohnheim für Erwachsene mit kognitiven Entwicklungsbeeinträchtigungen. Ihr Anliegen ist es, dort bis ins hohe Alter wohnen zu können. Nun soll ihr langjähriger Aufenthalt geplant und organisiert werden. In den drei Beispielen wird erkennbar, dass Prozessgestaltung unterschiedliche zeitliche Dimensionen aufweist. Auftrag und Organisationskontext bestimmen, in welchem zeitlichen Rahmen das professionelle Handeln stattfindet und welche Zeitfenster für die einzelnen Prozessschritte zur Verfügung stehen. Es muss fallweise abgewogen werden, auf welche der sieben Prozessschritte sich das professionelle Handeln fokussiert und in welcher Ausführlichkeit dies geschehen soll. Im Fall des 85-jährigen Mannes könnte es nach einer kurzen Situationserfassung darum gehen, die Ziele genauer herauszuarbeiten, um dann die nächsten Schritte planen und realisieren zu können, damit eine adäquate Wahl getroffen wird und der Eintritt ins Altenheim möglichst zufriedenstellend vonstattengeht. Der Prozesszyklus umfasst den Zeitraum dieser vereinbarten drei Beratungsstunden und allfälliger Vor- und Nachbearbeitungsaufgaben. Prozessgestaltung im Fixerraum stellt sich als Kürzestzyklus dar. Die Sozialarbeiterin kann sich in ein paar Augenblicken ein Bild des Klienten machen und nach einer ebenso kurzen Einschätzung ein Angebot z. B. bezüglich Beratung unterbreiten, das angenommen oder abgelehnt werden kann. Im Fall der 42-jährigen Frau geht es möglicherweise in einer ersten längeren Phase von einigen Wochen oder Monaten um eine differenzierte Situationserfassung, bevor die Professionellen den nächsten Prozessschritt der Analyse initiieren. Diese drei Beispiele machen deutlich, dass die Dauer des Prozesszyklus nicht von den Professionellen der Sozialen Arbeit festgelegt wird.