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Hochuli Freund

31.7.17 S. 189

Variationen zum Prozessgestaltungsmodell

formeller Prozessgestaltung (in Alltagssituationen) und formeller Prozessgestaltung (im Rahmen eines strukturierten gemeinsamen Prozesses, an dem unterschiedliche Akteure beteiligt sind), klärend wirken. Es geht um Denken, Planen, Handeln und Reflexion innerhalb eines Prozessschritts, und gleichzeitig innerhalb eines grösseren Prozesszyklus. Wir bewegen uns immer in mindestens zwei Prozesszyklen gleichzeitig. Wenn wir in einem grösseren Zeitraum einer Prozessgestaltung denken und handeln (z. B. Situationserfassung), dann ist das selbstverständlich zugleich schon eine Intervention (deshalb die Unterscheidung Intervention im engeren Sinne und Intervention im weiteren Sinne, vgl. Hochuli Freund/Stotz 2015:294). Die versierte Praktikerin spielt mit diesen zeitlichen Varianten der Bezugnahme auf das Prozessmodell und zwar in Hinblick auf das übergeordnete Ziel: Wissen was man tut, wenn man etwas tut (vgl. Hochuli Freund/Sprenger-Ursprung 2016:55). Auch die zeitliche Abfolge der verschiedenen Prozessschritte ist nicht statisch zu denken. Die Pfeile in der Mitte verweisen darauf, dass die idealtypische Reihenfolge auch verändert werden kann (z. B. dass bei der Situationserfassung manchmal bereits Ziele formuliert werden und eine differenzierte Auslegeordnung, also Analyse, erst danach vorgenommen wird etc.). Michel-Schwartze (2009, 2015) präferiert anstelle eines Phasenmodells ein Ebenen-Modell9, um deutlich zu machen: »[D]as methodische Vorgehen auf einzelnen Arbeitsebenen kann parallel erfolgen und wird zu keinem Zeitpunkt des Hilfeprozesses beendet, weil Ebenen keiner zeitlichen Begrenzungen unterliegen« (Michel-Schwartze 2016:249f.). Der Vorzug eines solchen Modells ist tatsächlich, dass Parallelität und Interdependenz der Arbeit in den verschiedenen Ebenen (oder eben: Phasen, Prozessschritte) verdeutlicht wird. Der Preis allerdings ist, dass keine Komplexitätsreduktion innerhalb eines jeden Prozessschrittes (bzw. einer Phase, einer Ebene) eingefordert wird also nie herausgearbeitet werden muss, worum genau es geht (Analyse), auf welche Arbeitshypothese man sich zunächst einmal stützt (Diagnose) etc. , sodass das, was in einem komplexen Fall schliesslich bearbeitet wird, möglicherweise stärker dem Zufall überlassen wird, als auf einer nachvollziehbar begründeten Entscheidung beruht. Ein angemessener Umgang mit Komplexität erfordert aus unserer Sicht eine kontinuierliche bewusste Bewegung zwischen Öffnung und Schliessung, einen Wechsel immer wieder zwischen themenbezogener Komplexitätserhöhung und strukturierter Komplexitätsreduktion. Letzteres fällt oft schwer, bedeutet es doch nicht nur, Entscheidung zu treffen, wovon man in einem Fall derzeit ausgeht, sondern auch darüber, was zumindest aktuell im Hintergrund bleiben soll (was aber nicht heisst, dass es ausgeblendet und vergessen wird).

9 Michel-Schwartze unterscheidet dabei folgende vier Ebenen: 1. Informationssammlung, 2. Problemdefinition (2009 bzw. Diagnose/Problem-und Ressourcenanalyse 2016), 3. Intervention, 4. Evaluation (vgl. Michel-Schwartze 2009:133151, 2016:250f.).

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