Generated pages/ subfolders for all documents: - arbeit: 386 pages - praxis: 297 pages - EPG: 11 pages Page numbers are 0-based PDF indices matching the book viewer. Extracted using pdftotext.
2.3 KiB
Abb. 8: Elemente reflektierter Beobachtung (Martin/Wawrinoski 2014:9)
8.5.3
Beobachtungsbogen
Im Folgenden werden wir ausführlich auf die Konstruktion von Beobachtungsbogen eingehen. Beobachtungs- oder Einschätzungsbogen? Beobachtungsbogen dienen zur strukturierten Erfassung von Situation und Verhaltensweisen von Klientinnen. In der Literatur finden sich etliche Beobachtungsbogen für einzelne Praxisfelder, wie z. B. für den Kontext der stationären Jugendhilfe, der Behindertenhilfe oder für den Vorschulbereich (vgl. Krenz 2003, Thiesen 2003, Strasser 2006). Auch in einzelnen Organisationen der Sozialen Arbeit sind für diesen Zweck Beobachtungsbogen entwickelt worden. Sie dienen dazu, den Blick auf bestimmte Bereiche der Entwicklung und/oder des Verhaltens bestimmter Klientinnen zu richten. In den allermeisten Fällen handelt es sich allerdings um Bogen der Fremd- oder Selbsteinschätzung, die vom Beobachter verlangen, seine Beobachtungen unmittelbar zu bewerten. So soll z. B. das Verhalten gegenüber andern Personen in verschiedenen Skalierungsgraden zwischen ›aufgeschlossen und ablehnend, vertraulich und ängstlich, ungehemmt und gehemmt, kritisch und unkritisch‹ bewertet werden (vgl. Thiesen 2003:94 f.). Oder es wird gefordert, in der Kategorie ›Aggressivität‹ bestimmte Verhaltensweisen wie ›tadelt Kind‹, ›droht Kind‹, ›nimmt Kind etwas weg‹ als zutreffend anzukreuzen (Krenz 1994:64). Hier geschieht Situationserfassung und Analyse gleichzeitig, wobei nicht klar wird, wie die Bewertung zustande kommt. Viele Bogen sind zudem mit einer Tendenz zur Defizitorientierung formuliert. So könnte ein Verhalten, das als ›ablehnend‹ eingestuft wird, auch als äußerst adäquates Reagieren auf Beziehungsangebote eingeschätzt werden, die einem Kind aufgrund seiner Primärerfahrungen als zu übergriffig und zu distanzlos erscheinen. Gute Beobachtungsbogen finden sich in der Literatur u. E. kaum. Ausnahme bilden die Beobachtungsbögen von Lueger (2005), die für ausgewählte Entwicklungsbereiche von Kindern zwischen 0–5 Jahren gute Grundlagen zur Erfassung ausgearbeitet hat. Diese Überlegungen führen uns zur Empfehlung, für die systematische Beobachtung eines Themas oder einer Situation jeweils einen fallspezifischen Bogen zu entwerfen. Im Folgenden soll dargestellt werden, wie ein solcher Beobachtungsbogen entwickelt werden kann.