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dem Motto: «Von der ›schützenden Inselerfahrung‹ zum ›persönlich
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geprägten Netzwerk‹» (Gahleitner 2019:90). Der Beziehungsprozess
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umfasst folgende fünf Schritte:
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• Beziehungsorientiertes Verstehen: Das Gelingen eines psychosozialen
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Hilfeprozesses erfordert zunächst ein Beziehungsangebot von Seiten der
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Professionellen, das «möglichst exakt am verfügbaren Bindungsstatus von
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KlientInnen anknüpft» (2019:88). Dazu gehört, Problemlagen wie
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Ressourcen auf der Basis von Bindungs-, Beziehungs- und
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Netzwerkstrukturen diagnostisch zu verstehen und für die Hilfe- und
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Interventionsplanung zu berücksichtigen.
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• Neue Beziehungserfahrungen ermöglichen: In einem nächsten Schritt gelte
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es «durch fachlich-kompetente und bindungssensible Nähe-DistanzRegulierung» (Gahleitner 2017:287) wieder erstes Vertrauen zu
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ermöglichen, nicht selten über viel Misstrauen hinweg. Dazu müssten
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Professionelle mit viel Geduld selbst Vertrauen investieren, um durch eine
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«authentische, emotional tragfähige, persönlich geprägte und dennoch
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reflexiv und fachlich durchdrungene Beziehungsgestaltung» in der Dyade
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zwischen Fachkraft und Klient eine «schützende Inselerfahrung»
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ermöglichen zu können. (Gahleitner 2019:90).
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• Chancen zu persönlichen Veränderungsprozessen: Die alternative
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Beziehungserfahrung kann einen Prozess von Selbstevaluation und reflexion in Gang setzen und damit Identitäts- und
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Transformationsvorgänge anregen. Durch die persönlich geprägte
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dyadische Beziehungsgestaltung im Lebensalltag der Klientinnen
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ermöglichen Fachkräfte, dass diese sich allmählich öffnen und
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Veränderungsprozesse auch im weiteren Netzwerkgefüge zulassen
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können (vgl. ebd. 88 f.). Jede neu entstandene, persönlich geprägte
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Verbindung zu Angehörigen und Peers, vielleicht auch zu virtuellen
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Kontakten, könne dabei verstärkend wirken, andererseits aber auch
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mühsam entwickeltes Vertrauen wieder vernichten (vgl. Gahleitner
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2017:289).
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• Vertrauensvolles professionelles Umgebungsmilieu: KlientInnen brauchen
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institutionelle Orte, in denen sie in hinreichendem Ausmaß Akzeptanz,
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soziale Unterstützung und Schutz erleben. Deshalb «muss der gesamte
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Alltag vom Beziehungsgeschehen durchdrungen werden, muss die
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umfassende Hilfe stets auf struktureller wie psychosozialer Ebene
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zugleich Vertrauen und neue tragfähige Beziehungsmöglichkeiten
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schaffen» (ebd.:287), damit die bindungsstarken Ausgangsbeziehungen
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auf allen Netzwerkebenen weiterwirken können. Psychosoziale
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Fachkräfte sind stets Teil eines sozialen Stützsystems, das es insgesamt zu
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reflektieren gilt. Dazu gehört auch, die persönliche Beziehung
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verantwortungsvoll in ihrer zeitlichen Begrenztheit transparent zu
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machen (vgl. ebd.:291).
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• Tragfähige, zukunftsstabile Basis für das spätere Leben: Gelingt es, die
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Qualität persönlich tragfähiger Beziehungsprozesse ins weitere
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Netzwerkgefüge einfließen zu lassen und ein vertrauensvolles
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professionelles Umgebungsmilieu zu entwickeln, «spannt sich ein
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umfassendes Wirkungsspektrum auf, das wiederum auf das Individuum
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zurückwirkt und eine tragfähige, zukunftsstabile Basis für das spätere
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Leben und dortige Beziehungs- und Netzwerkkonstellationen
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