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Die bisherigen Ausführungen zu den historischen Wurzeln der Sozialen
Arbeit und zu den Praxisfeldern enthielten mehr oder weniger explizit
immer auch Aussagen zu Aufgabenstellung und Zielsetzung der Sozialen
Arbeit. Der gesellschaftliche Auftrag, den die Soziale Arbeit erfüllt, ist damit
jedoch noch nicht hinreichend beschrieben. So soll im Folgenden geklärt
werden, für welche gesellschaftliche Aufgabe die Soziale Arbeit
Zuständigkeit beansprucht und wie sie diese Aufgabe versteht. Ohne näher
auf den Diskurs zur Theoriebildung in der Sozialen Arbeit einzugehen
wollen wir versuchen, die unterschiedlichen Antworten auf die Frage nach
Aufgabe und Zielsetzung Sozialer Arbeit aus dem aktuellen Theoriediskurs
zusammenzutragen und deren Kern zu bestimmen.
Parteiliche Vermittlung zwischen Individuum und Gesellschaft
Soziale Arbeit ist ein Moment das Sozialstaatsprinzips moderner
Gesellschaften, sie nimmt Aufgaben wahr innerhalb des arbeitsteilig
organisierten Sozialstaates. Das Sozialstaatsprinzip war die Antwort auf die
gesellschaftlichen Brüche in der modernen Industriegesellschaft, auf die
ungleiche Verteilung von Besitz und Einkommen und auf die Probleme
sozialer Desintegration, auf den Verlust traditionaler sozialer Systeme der
Hilfe und Unterstützung (insbesondere der Familie) und die Überforderung
traditionaler Hilfen (wie z. B. der Kirchen). Heute ist es die Antwort auf
neue Formen von Entfremdung, Verarmung und Randständigkeit in der
globalisierten Arbeitsgesellschaft. Dabei hat der Sozialstaat nicht nur
marktausgelöste soziale Ungerechtigkeit zu kompensieren, sondern auch
eine aktive Verteilungspolitik zu verfolgen (vgl. Schröer 2008:355). Das
Sozialstaatsprinzip setzt auf die Würde des Menschen, auf ihre
Anerkennung als Subjekte des Lebens, und es repräsentiert den Anspruch
auf soziale Gerechtigkeit innerhalb einer Gesellschaft. Angesichts
gesellschaftlicher Verhältnisse jedoch, die geprägt sind durch alte und neue
Ungleichheiten und durch die zunehmende Brüchigkeit traditioneller
Klassen und Milieus ist eine Vermittlung nötig, damit menschliche Würde
und Anerkennung als Subjekt des Lebens realisiert werden können. Hier hat
die Soziale Arbeit ihre spezifische Aufgabe (vgl. Thiersch 2002:11).
Thole (2012a:24) formuliert zunächst neutral, dass Soziale Arbeit stets
ein institutionelles Angebot darstellt, das sich zwischen dem Staat als
gesellschaftliches Gesamtsubjekt beziehungsweise in dessen Vertretung
und Auftrag handelnde Organisationen auf der einen Seite und einzelnen
Subjekten, Familien oder Gruppen auf der anderen Seite verortet. Der
Sozialen Arbeit kommt dabei die Aufgabe zu, zwischen Individuum und
Gesellschaft, zwischen System und Lebenswelt zu vermitteln, so Heiner, und
sie bezeichnet dies als die intermediäre Funktion der Sozialen Arbeit (vgl.
2004:155). Diese Vermittlung wird jedoch nicht neutral gesehen, vielmehr
ist der spezifische Zugang der Sozialen Arbeit derjenige einer parteilichen
Vermittlung: »Soziale Arbeit ist engagiert in den Problemen, die die
Menschen in sich und mit sich selbst haben und erst in zweiter Linie an den
Problemen, die die Gesellschaft mit ihnen hat. (Dafür sind im Rahmen
unserer Gesellschaft Gesetz, Justiz und Polizei zuständig.) Soziale Arbeit
vermittelt also zwischen Subjekt und Gesellschaft in der Perspektive des
Subjekts« (Thiersch 2002:212). Sie sehe Menschen in ihren subjektiven