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Fathering After Violence
401
vier Bundesländern wissenschaftlich begleitet1. Während dieses Zeitraumes
wurden neben umfangreichen quantitativen sozialstatistischen Daten der
Klientel der Programme auch eine Fülle von qualitativen Daten, die aus Interviews mit den begleiteten Einrichtungen, Kursteilnehmern und deren Partnerinnen gewonnen wurden, erhoben. Auszüge dieses Datenmaterials bilden
die Datenbasis unseres Beitrages.
In diesem Zeitraum nahmen insgesamt 325 Männer an den Kursen teil.
Von diesen 325 Männern standen sozialstatistische Daten zur Auswertung
zur Verfügung. In 313 der 325 Fälle lagen Angaben dazu vor, ob Kinder in der
Gewalt belasteten Beziehung lebten oder nicht. Die Auswertung des sozialstatischen Datenmaterials der Männer ergab, dass in 72 % der Fälle (225 von
313 Männern) Kinder in der Gewaltbeziehung lebten. D.h. fast zwei Drittel
der untersuchten Klientel hatte entweder selber Kinder und war leiblicher
Vater oder lebte mit Partnerinnen zusammen, die Kinder mit in die Beziehung
brachten. Ohne weiter auf Details einzugehen, in welcher Weise die Täter mit
ihren Partnerinnen zusammenlebten, liegt die Relevanz darin, dass diese 225
Männer die Lebensqualität der ihrer Sorge (mit-)unterstellten Kinder beeinflussten.
Was ist unter Täterarbeit zu verstehen? Täterarbeit meint Angebote für
Männer, die gegenüber ihren (Ex-)Partnerinnen gewalttätig geworden sind,
damit die Täter ihr Verhalten ändern. Diese Angebote sind als der kognitiven
Verhaltenstherapie zuzuordnende soziale Trainingsmaßnahmen zu definieren und nicht als klassische Therapie, wobei sie gleichwohl eine Vielzahl therapeutischer Elemente beinhalten. Der zeitliche Umfang der begleiteten Maßnahmen war klar definiert und unterschied sich zum Teil erheblich zwischen
den einzelnen Einrichtungen. Die kürzeste Maßnahme umfasste 12 Wochen
mit wöchentlich stattfindenden ca. zweistündigen Sitzungen, das längste
Curriculum dauerte 26 Wochen bei ansonsten gleichem Turnus. Soweit die
Teilnehmerzahlen es zuließen, wurden die Angebote als Gruppentraining
durchgeführt. Nur dort wo sich nicht genügend Teilnehmer für eine Gruppe
zusammenfanden oder berufliche Erfordernisse der Männer eine kontinuierliche Gruppenteilnahme verhinderte, wurde zeitweilig in Einzelarbeit mit ihnen gearbeitet.
Übergeordnetes, allen Kursen gemeinsames Ziel ist es, die von Gewalt betroffenen Frauen vor erneuter Gewaltanwendung durch ihre (Ex-)Partner zu
schützen. Konkretes Lernziel der Kurse ist es deshalb, die teilnehmenden Männer zu befähigen, zukünftig keine weitere Gewalt gegenüber ihren (Ex-)Partnerinnen auszuüben und generell auf Gewalt als Mittel zur Durchsetzung
eigener Bedürfnisse und Ziele zu verzichten.
1 Männerbüro Hannover e.V. (Hannover - Niedersachsen); Beratungsstelle im Packhaus (Kiel
Schleswig-Holstein); Widerspruch (Kiel S.-H.); ProFamilia Flensburg (S.-H.); Brücke Elmshorn e.V. (S.-H.); Beratung für Männer gegen Gewalt (Berlin); Berliner Zentrum für Gewaltprävention (Berlin); Psychosoziale Beratungsstelle in Ehe- und Familienangelegenheiten (Freiburg
Baden-Württemberg).