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Beratung von Müttern im Kontext einer mädchenspezifischen Krisenintervention
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In der Regel ist das Vaterbild bei dieser Ausgangssituation vor allen Dingen
von seiner Abwesenheit und den geringen Informationen, die der Tochter
zur Verfügung stehen, geprägt. Oft gab es zum Schutz der Mutter keinerlei Kontakt mehr, auch die Verbindung zu den Großeltern väterlicherseits ist
häufig gekappt. Aus dieser Ausgangssituation fantasiert sich das Mädchen,
besonders in Zeiten der Auseinandersetzung mit der Mutter, ein Vaterbild,
das ihr die Möglichkeit einer positiven Identifikation und Ausflucht aus ihrer
jetzigen Lebenssituation bietet. Nicht selten bauen sie sich mit Fotos oder Erinnerungsstücken einen Ort, an dem sie dieses Bild für sich erleben können.
Die Mütter reagieren darauf - aus ihrer Geschichte verständlich - sehr verletzt
und gekränkt, wobei die Wucht dieser Gefühle für die Tochter nicht einzuordnen und damit nicht einschätzbar ist. „Richtet sie sich jetzt gegen mich oder gegen
meinen Vater, den ich aber wiederum als Teil von mir definiere?“ In dieser Situation
verstärkt sich die Sprachlosigkeit zwischen Mutter und Tochter, die Kommunikation kann fast vollständig zum Erliegen kommen.
In dieser Ausgangssituation ist es dann müßig im Rahmen der Krisenintervention zu eruieren, wer Schuld an der Krise ist, ob die Tochter die Mutter
verlassen hat, oder ob die Mutter es der Tochter verunmöglicht, weiter zu
Hause zu leben.
Unserer Erfahrung nach ist es deshalb wichtig, der Mutter im Einzelgespräch zu ermöglichen, ihre jeweiligen Emotionen wahrzunehmen, die hinter
der momentanen Kränkung, von der Tochter verlassen worden zu sein, liegen. Dieser Prozess kann emotional sehr belastend sein, wenn deutlich wird,
wie viel Einfluss der gewalttätige Ex-Partner, von dem die Frau sich vor z.T.
schon sehr langer Zeit frei gemacht hat, noch auf das Leben und vor allem
auf die Beziehung zu den Kindern hatte und hat. Wut und Trauer, verbunden
mit dem Schmerz der Erinnerung an den Menschen, der sich damals hat so
behandeln lassen, können dabei aufkommen. Dies wird nicht in einem einmaligen Gespräch möglich sein, sondern erfordert immer wieder die Versicherung, welche Ressourcen die Mutter hat, diesen Prozess anzugehen und welche Form von professioneller Unterstützung weitergehend angezeigt wäre.
Mit der Mutter wird vor dem gemeinsamen Gespräch mit der Tochter vereinbart, welche Informationen ihr schon vorher vermittelt werden sollen. Dies
handhaben die Frauen sehr unterschiedlich. Manche wollen der Tochter alles
selber erzählen, andere sehen sich nicht in der Lage dazu, und beauftragen
die Psychologin, ihrer Tochter die wichtigsten Informationen im geschützten
Einzelgespräch zu geben. Andere schreiben einen Brief, der vor dem Zusammentreffen gemeinsam, entweder mit der Psychologin oder der Bezugsbetreuerin gelesen wird.
Im gemeinsamen Gespräch muss das Mädchen mit zum Teil sehr widersprüchlichen Gefühlen fertig werden. Zunächst gilt es, den Widerstand zu
überwinden, das idealisierte Bild des Vaters wenigstens in Ansätzen erschüttern zu lassen. Gerade, wenn es heftige Auseinandersetzungen mit der Mutter
gab, fällt es schwer, in diesem Moment nicht die negative Emotion auf sie zu