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Interinstitutionelle Kooperation - mühsam aber erfolgreich
237
ȡ Erfahrungen von Gewalt beeinflussen das seelische Gleichgewicht des
Kindes oder Jugendlichen und prägen späteres Verhalten mit. Erleben Kinder
und Jugendliche die Gewalt des Vaters bzw. einer Vaterfigur gegenüber der
Mutter mit, kann das für Jungen bedeuten, dass sie gegebenenfalls selber zu
gewalttätigem Verhalten als Lösungsstrategie in Konfliktsituationen neigen.
Für Mädchen hingegen scheint es in ihrer weiteren Entwicklung nahe liegend,
in Beziehungskonstellationen ebenfalls die Opferrolle zu reproduzieren.
ȡ Kinder und Jugendliche haben aufgrund ihrer Schuld- und Schamgefühle und aus Gründen der Loyalität gegenüber Mutter und Vater die größten Schwierigkeiten, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Selbst erlebte oder
beobachtete Gewalt erzeugt im betroffenen Mädchen oder Jungen Gefühle
von Hilflosigkeit und Ohnmacht, die bei wiederholten Erfahrungen zu einem
nachhaltigen Trauma führen können.
ȡ Im Hinblick auf Unterstützungsangebote, die Frauen in Misshandlungssituationen zu ihrer eigenen Entlastung benötigen, müssen die betroffenen
Frauen auch in ihrer Rolle als Mütter angemessene Hilfestellung erhalten,
damit ihre Erziehungsfähigkeit gestärkt und somit die Entwicklungsbedingungen für das Kind verbessert werden können.
ȡ Die Erziehungsfähigkeit und Verantwortlichkeit eines misshandelnden
Mannes gegenüber seinen Kindern muss von allen beteiligten Institutionen
kritisch überprüft und gegebenenfalls in Frage gestellt bzw. im Sinne der betroffenen Kinder (und Mütter) verändert werden.
Im Rahmen des Berliner Interventionsprojektes gegen häusliche Gewalt
sollen daher die besonderen Hilfe- und Schutzinteressen von Kindern und
Jugendlichen und der daraus resultierende Hilfebedarf zur Verarbeitung
und Bewältigung erlittener Gewalt auch im Verlauf der Unterstützung der
misshandelten Frau und der Arbeit mit dem gewalttätigen Mann (Lern- und
Trainingskurs) angemessene Berücksichtigung finden.“ (BIG, Fachgruppe
Kinder und Jugendliche: 2000)
Auf der emotionalen und persönlichen Ebene veränderte sich die Kooperation durch das Infragestellen der Bilder von- und (Vor-)Urteile übereinander
durch ein genaueres Hinschauen und durch den Versuch der präzisierenden,
Perspektivwechsel ermöglichenden Verständigung: „Was genau meinen
Sie, wenn Sie sagen… Ich möchte besser nachvollziehen können, warum Sie
diese Sichtweise haben. Können Sie mir das bitte noch einmal genauer erläutern…?“ Hilfreich war auch immer wieder die Perspektive einer dritten
oder vierten Berufsgruppe wie der Polizei oder der Juristinnen, die eher nach
pragmatischen Lösungen suchten und damit auch emotionale Wogen glätten
konnten. Gleichzeitig war es vornehmlich meine Aufgabe als moderierende
Koordinatorin, stärker die Gemeinsamkeiten auszuloten als die Differenzen
und auf die gegenseitige Anerkennung des ExpertInnenstatus zu dringen.
Die zunehmende Beschäftigung mit dem Thema „Kinder und häusliche
Gewalt“ in der Fachöffentlichkeit, die große und positive Resonanz, teilweise über Berlin hinaus, die die Arbeit der BIG-Fachgruppe erhielt, sorgte im