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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 86 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Friedhelm Kron-Klees
des Hilfen (eventuell mit einer diesbezüglichen Entscheidung des Familiengerichts) außerhalb der Familie eingeleitet werden. Aber auch das sehe ich als Hilfen im familiären Kontext, auf deren Besonderheit ich gegen Ende dieses Beitrages noch eingehen werde. Sozialarbeiterinnen, die von einer belasteten Familie über eine Fremdmeldung erfahren, sind also nach dieser Sicht gehalten, Meldungen so aufzugreifen und in einen Kontakt mit der betroffenen Familie umzusetzen, dass sie die Chance begünstigen, dass ihr Hinzukommen als Hilfe erlebt und angenommen werden kann. Hierzu erachte ich die grundsätzliche Beantwortung folgender Fragen als eine Art Vorabeinstellung für erforderlich:
• Wie bewerte ich die Fremdmeldung? • Wie beziehe ich mich auf die Not von Kindern, auf die sie durch das Zeigen von Symptomen aufmerksam gemacht haben?
• Aus welcher Perspektive betrachte ich das Geschehen in einer Familie, auf die in Form einer Fremdmeldung aufmerksam gemacht wurde? Wie beziehe ich mich auf Eltern (oder Erziehungsberechtigte), deren Kinder nach außen gravierende körperliche oder im Verhalten erkennbare Symptome gezeigt haben, was schließlich dazu führte, dass sich die Jugendhilfe (das Jugendamt) bei ihnen meldet? Jede derartige Situation, der ich begegne, hat sowohl den Aufforderungscharakter, verstanden zu werden, als auch den, etwas zu tun. Um mir ein Bild von einer Situation zu machen, kann ich sie aus verschiedenen Perspektiven betrachten, wobei die jeweilige Auswahl der Perspektiven und die daraus resultierenden Antworten gleichberechtigt (und »wahr«) sind. Es gibt für mich grundsätzlich keine falschen Perspektiven, aus denen ich etwas betrachten kann. Die Frage ist, welche Perspektive und welche aus ihr resultierende Antwort eher geeignet ist, meinen Auftrag zu begünstigen, Hilfe zu sein. Aus systemischer Sicht gehe ich davon aus, dass mein Handeln stark davon bestimmt wird, wie ich eine Situation verstehe bzw. wie ich sie mir zurechtlege. • Als was will ich eine Fremdmeldung ansehen? Als Diffamierung? Als Denunziation? Als unbotmäßige Einmischung? Als Aufdringlichkeit? Oder nehme ich sie als Ausdruck der Sorge um das Wohl eines Kindes? Als Brücke zu einer Familie und zu Kindern in Not? • Wie beziehe ich mich auf das Kind, das nach außen über das Zeigen von Symptomen auf sich aufmerksam macht? Muss ich es retten? Muss ich es gegen seine Eltern in Schutz nehmen? Oder kann ich eine Tragik darin erkennen, dass das Kind auf diese Weise für sich und seine Familie Hilfe zu erhalten sucht?
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