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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 17 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19

  1. Systemische Kinder- und Jugendhilfe Eine Skizze

Sie kann ihre Aufgabe als erster Ort der Sozialisation, Enkulturation und Identitätsbildung (zu diesen Begriffen siehe Ritscher 2004a, 2002a) nicht mehr ausfüllen mit allen Konsequenzen für Eltern und Kinder. An diesem Punkt öffnet sich das Feld der Kinder- und Jugendhilfe: Dieser Bereich soll den Familien helfen, ihre Funktionsfähigkeit zurückzugewinnen. Dazu stehen unterschiedliche Handlungsformen bereit:

• Therapie, Beratung, Begleitung und andere Formen der ambulanten Unterstützung für die betreffenden Familien und ihre Mitglieder z. B. Aufsuchende Familientherapie, Sozialpädagogische Familienhilfe, Intensive Sozialpädagogische Einzelhilfe, Erziehungsberatung. • Familienergänzende Hilfen, die außerhalb des familiären Raumes angesiedelt sind, aber das Weiterbestehen der Familie voraussetzen z. B. Tagesgruppen und soziale Gruppenarbeit. • Kurz-, mittel- oder langfristige Unterbringung eines oder mehrer Familienmitglieder außerhalb des familiären Raumes, mit dem (nicht immer erreichbaren) Ziel einer familiären Restrukturierung z. B. Unterbringung eines Kindes in einer Pflegefamilie, einem Heim, der Kinder- und Jugendpsychiatrie oder Unterbringung der Mutter (und eventuell ihrer Kinder) in einem Frauenhaus bzw. des Vaters in einem Männerhaus (das ist noch Zukunftsmusik). • Die Bereitstellung solcher Einrichtungen und Plätze im Gemeinwesen und ihre Vernetzung zu einem kooperierenden System kommunaler Jugendhilfe. • Beiträge zur kinder- und familienfreundlichen Gestaltung des Gemeinwesens als einem »Raum der Orte«, der durch Vertrautheit, Übersichtlichkeit, Treffpunkte, Bildungs- und Freizeitangebote zur Identifikation mit ihm und Bindung an ihn einlädt.

Uri Bronfenbrenner hat den hier angesprochenen gesellschaftlichen Kontext als Makrosystem gekennzeichnet, und ich habe an anderer Stelle versucht, dieses bei Bronfenbrenner nur auf den kulturellen Sektor der Gesellschaft bezogene Konzept um die Sektoren der Ökonomie, Politik und Wissenschaft bzw. Technologie zu erweitern (siehe Ritscher 2002a). Castells soziologische Netzwerktheorie ermöglicht uns eine systemische Sicht auf die sich globalisierenden Gesellschaften und die daraus für sie entstehenden Konsequenzen. Er entdeckt die gemeinsame Struktur von Ökonomie, Politik, Kultur, Wissenschaft und neuen Technologien in der Etablierung globaler, 17