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Konsequenzen und Perspektiven
psychischen Gesundheit eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Partnergewalt spielen. In einer anderen Untergruppe scheinen sehr belastende
Kindheitserfahrungen einen ungünstigen, Gewalt fördernden Entwicklungsverlauf anzustoßen. In der Forschung spiegelt sich dieser differentielle Aspekt in einer umfangreichen Literatur über Untergruppen von Männern, die
Partnergewalt ausüben und denen teilweise besondere Entwicklungswege
zugeordnet werden können (für Forschungsübersichten siehe HoltzworthMunroe 2000, Holtzworth-Munroe & Stuart 1994). Bezüglich der primären
Prävention von Partnergewalt spricht dieser Aspekt für ein differenziertes
Gesamtkonzept, bei dem universelle Präventionsmaßnahmen durch selektive Angebote ergänzt werden, die sich an Risikogruppen oder Personen bzw.
Paare auf Risikopfaden wenden.
Der entwicklungsökologische Aspekt des Modells bedeutet zum anderen,
dass Einflussfaktoren auf die Entstehung von Partnergewalt nach unserem gegenwärtigen Kenntnisstand auf verschiedenen Ebenen (z.B. gesellschaftliche,
familiäre, individuelle Ebene), in verschiedenen Situationen (z.B. Schwangerschaft, Trennung) und Entwicklungskontexten (z.B. Gewalterfahrungen in
der Kindheit, Einübung aggressiver Verhaltensmuster in der Kindheit bzw.
im Jugendalter) lokalisiert sind und von dort aus ihre Wirkung entfalten. Im
Hinblick auf die primäre Prävention von Partnergewalt spricht dies für eine
Präventionsstrategie nach dem Prinzip der kumulativen Schutzwirkung (Yoshikawa 1994), d.h. eine Gesellschaft beugt der Entstehung von Partnergewalt
umso besser vor je mehr es ihr gelingt an verschiedenen relevanten Einflussfaktoren wirkungsvoll präventiv anzusetzen.
Bevorzugte Ansatzpunkte für eine gut begründete Präventionsstrategie
ergeben sich aus der vorangegangenen generativen Analyse der möglichen
und wahrscheinlichen Einflussfaktoren auf die Entstehung von Partnergewalt. Ein erster Punkt betrifft dabei die Veränderung gesellschaftlicher Geschlechterverhältnisse und den Wandel von Männlichkeitsbildern, die sich
stark auf Dominanz, Aggressivität und eine Abwertung von Frauen stützen.
Im Hinblick auf beide Punkte besteht ein erheblicher Handlungsbedarf in der
Bundesrepublik, da Deutschland in international vergleichenden Untersuchungen sowohl im Hinblick auf Indizes zur Geschlechtergerechtigkeit (z.B.
„gender empowerment measure“, UNDP 2003), als auch im Hinblick auf die
Verbreitung feindseliger und sexistischer Einstellungen (z.B. Glick et al. 2000)
noch weit von einer befriedigenden Situation entfernt ist. Verschiedene Autoren haben bei ihren Vorschlägen zur primären Prävention von Partnergewalt
einen Schwerpunkt auf politische Maßnahmen zur Förderung der Geschlechtergerechtigkeit (z.B. gesetzliche Regelungen gegen Diskriminierung, Verbesserung der Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von familiärer Fürsorgearbeit
und Erwerbsarbeit), zur Unterstützung des Wandels von Männlichkeitsbildern
(z.B. Förderung von Fürsorge- und Erziehungsarbeit durch Männer, Anregung
kritischer Diskurse über Männlichkeit und Gewalt) und einer Verdeutlichung
der gesellschaftlichen Ablehnung von Partnergewalt (z.B. Verbesserung der