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Äußerungen, welche diese Personen einmal gemacht haben. Mögliche
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Antworten einzelner Beteiligter können – z. B. wenn diese nicht
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erreichbar sind oder nicht sprechen können – auch durch
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stellvertretendes Hineinversetzen in deren Situation kreiert werden;
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wichtig bei dieser Form der Rekonstruktion einer Sichtweise ist eine
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Haltung von Empathie und Reflexivität. Dieses rekonstruktive Vorgehen
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kann auch dann gewählt werden, wenn die Analyse der Sozialpädagogin
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selbst dazu dient, in einer für sie unübersichtlich gewordenen Situation,
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in der sie auch selbst verwickelt ist, wieder einen Überblick zu gewinnen.
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Eine ähnliche Vorgehensweise findet sich in den Arbeitshilfen bei von
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Spiegel (2013. Für die Analyse von tendenziell offenen Situationen in
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unterschiedlichsten Praxisfeldern werden die Sichtweisen der Beteiligten
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zu folgenden Aspekten erfragt oder rekonstruiert (vgl. ebd.:152 ff.):
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• Wahrnehmung und Beschreibung (was ist passiert, was wird als
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problematisch empfunden),
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• Motive, Gefühle und Begründungen.
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Für den Kontext der Hilfeplanung in der Sozialarbeit, wo ein konkretes
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Problem zur Kontaktaufnahme geführt hat, schlägt sie für eine gemeinsame
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›Problemanalyse‹ folgende Fragen vor (vgl. ebd.:168 ff.):
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• Wo sehe ich das Problem? Wer ist verantwortlich?
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• Wer hat bisher zur Problemlösung beigetragen?
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• Was wurde bisher erreicht, was nicht?
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Für die Situations- wie die Problemanalyse hat von Spiegel als Arbeitshilfe
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jeweils eine Tabelle erstellt. Über die Perspektivenerfassung hinaus wird die
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Sozialpädagogin allerdings auch bereits angeregt, eigene Deutungen und
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Erklärungen mit Hilfe von Theorie- und Alltagswissen zu notieren (wodurch
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von Spiegel bereits in den Diagnoseschritt übergeht, Kap. 10.2.1).
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Die Methode der Perspektivenanalyse gemeinsam mit Beteiligten kann in
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jedem Praxisfeld angewendet werden. Wichtig ist u. E., die für einen Fall
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angemessene(n) Vorgehensvariante(n) auszuwählen, die
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Fragemöglichkeiten fallbezogen anzupassen und in Alltagssprache zu
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übersetzen. Entscheidend ist außerdem, dass sich die Analyse nicht auf die
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Erfassung der unterschiedlichen Perspektiven auf einen Fall beschränkt,
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sondern die Aufgabe der fachlichen Auswertung und Beurteilung daran
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anschließt und dann in einem dialogischen Prozess mit allen Beteiligten die
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Fallthematik bestimmt wird.
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9.2.2
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Perspektivenanalyse auf der Fachebene:
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Fallinszenierung
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Eine Perspektivenanalyse kann auch nur von den Professionellen allein (auf
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der Fachebene) vorgenommen werden, indem die Sichtweisen der
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relevanten Fallbeteiligten inszeniert werden. Diese Methode eignet sich vor
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allem für schwierige Fälle, in denen sich eine Sozialarbeiterin selbst
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verwickelt fühlt und beispielsweise Ärger spürt gegenüber einzelnen
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