38 lines
3.2 KiB
Markdown
38 lines
3.2 KiB
Markdown
Begleiteter Umgang bei häuslicher Gewalt - Chance oder Verlegenheitslösung
|
|
|
|
275
|
|
|
|
legt“ werden können, da sie sich einer Aufarbeitung im Rahmen des begleiteten Umgangs entziehen. Da wir in hochstrittigen Fällen von einem wechselnden Machtgefälle innerhalb der Paar- und Elternbeziehung ausgehen
|
|
können, ist hier die beraterische Trennung in „Paarebene“ und „Elternebene“,
|
|
wie sie häufig postuliert und genutzt wird, u. E. nach sinnvoll und Erfolg
|
|
versprechend. Begleiteter Umgang bietet in hochstrittigen Fällen durchaus die
|
|
Chance, nachhaltig die Umgangspraxis durch Entzerrung, Fokussierung auf
|
|
die Umgangsregelungen und das Erleben von Handlungsalternativen zu vereinfachen.
|
|
Ganz anders verhält es sich in Fällen von häuslicher Gewalt. Hier sind die
|
|
Machtverhältnisse innerhalb der Beziehung der Eltern nicht gleichberechtigt
|
|
oder wechselnd, sondern häufig über Jahre hinweg in aller Regel zu Ungunsten der Frauen und der Kinder verschoben. Bei häuslicher Gewalt hat sich
|
|
ein Elternteil über einen langen Zeitraum und in gewalttätiger Art und Weise
|
|
über die Grenzen des anderen Elternteils hinweggesetzt, was meistens ursächlich für die Trennung ist. Die Gewalt endet selten mit der Trennung, im
|
|
Gegenteil. Frauen fürchten oft zu Recht um sich und ihre Kinder. Das Risiko der Eskalation von Gewalttaten bis hin zu Tötungen steigt bei geäußerten
|
|
Trennungsabsichten oder Trennungen. Ein Teil dieser Tötungsdelikte findet
|
|
gerade bei der Übergabe der Kinder statt (Schweikert / Schirrmacher 2002).
|
|
Wenn 25% der Frauen zumindest einmal in ihrem Leben Gewalt durch
|
|
einen Beziehungspartner erleben (Schröttle / Müller 2004) wird deutlich, dass
|
|
auch viele Kinder dies miterleben müssen, denn in vielen Haushalten leben
|
|
Kinder. In der überwiegenden Mehrheit der Fälle, in denen die Mutter durch
|
|
den Lebenspartner/Vater des Kindes misshandelt wird, erleben die Kinder
|
|
die Gewalt direkt oder indirekt mit; sie wachsen in einem psychischen und
|
|
physischen Gewaltklima auf. Das Miterleben und Beobachten der häuslichen
|
|
Gewalt hat vielfältige, unterschiedliche und erhebliche Auswirkungen auf die
|
|
Kinder (siehe z.B. Strasser in diesem Band). Sie sehen, wie die Mutter geschlagen oder misshandelt wird, sie hören wie die Mutter weint und wimmert,
|
|
der Vater schreit, sie spüren den Zorn des Vaters und die Angst der Mutter
|
|
und sie denken, dass sie Schuld sind und dass sie ihre Mutter und Geschwister schützen müssten und dass der Vater die Mutter tötet. Kinder können
|
|
sich schuldig dafür fühlen, nicht einzugreifen oder sie können wütend auf
|
|
ihre Mutter sein, dass sie die Misshandlungsbeziehung nicht verlässt. Zudem
|
|
empfinden Kinder neben und trotz der Sorge um ihre Mutter und ihren eigenen Ängsten auch geteilte Loyalitäten und ambivalente Gefühle beiden Elternteilen gegenüber (Kavemann 2000, Heynen 2000).
|
|
Darüber hinaus werden Kinder direkt Opfer körperlicher und/oder seelischer Gewalt (Kavemann 2000), oder sie werden direkt in die Gewalt gegen
|
|
die Mutter miteinbezogen, z.B. wenn die Mutter das Kind auf dem Arm hält
|
|
und die Kinder von den Schlägen getroffen werden oder auch, wenn Kinder
|
|
als Geiseln genommen werden, um eine Rückkehr der Mutter nach Hause
|
|
zu erzwingen. Unter Umständen müssen die Kinder sich mit gravierenden
|