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Erfahrungen mit der „Kinderverträglichkeit“ des österreichischen Gewaltschutzsystems
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Trennung und noch einige Zeit nach der Trennung, bis keine Gewalt mehr
droht.
Es ist eine Realität für Kinder mit der Gewalt zu leben. Häufig nehmen
sie, vor allem wenn sie älter sind, eine aktive Rolle ein und versuchen z.B.
sich selbst, die Mutter oder die Geschwister zu schützen, zu flüchten oder die
Polizei rufen (Strasser 2001). Es ist wichtig, diese Realität anzuerkennen und
Kinder zu unterstützen. Kinder sollen, abgestimmt auf ihr Alter und ihre individuellen Fähigkeiten, aktiv in die Sicherheitsplanung einbezogen werden.
Dazu gehört z.B. mit Müttern und Kindern gemeinsam folgendes zu besprechen und zu planen:
ȡ Was mache ich, wenn mein Vater wieder aggressiv wird und mich, meine
Geschwister oder meine Mutter schlägt oder droht? (Schreien, Hilfe holen,…)
ȡ Wo ist ein sicherer Platz für mich und meine Geschwister, wo können wir
uns hinflüchten? Wer kann uns in einer akuten Gefahrensituation helfen? Wo
findet uns die Mutter wieder? (Kindern soll vermittelt werden, dass es nicht
ihre Verantwortung und zu gefährlich ist, der Mutter oder Geschwistern in
einer akuten Gewaltsituation zu helfen und sich einzumischen; besser ist es,
zu flüchten und Hilfe zu holen, z.B. bei NachbarInnen, Verwandten,...)
ȡ Wo und wie rufe ich die Polizei an? Was sage ich der Polizei? (es soll konkret geübt werden, die Polizei anzurufen, sich die Nummer zu merken, die
Adresse zu sagen, etc.; größere Kinder haben vielleicht selbst ein Handy oder
können ein altes Handy bekommen (der Polizeinotruf funktioniert auch ohne
Guthaben)
ȡ Wo können wir in einer akuten Situation unterkommen? (z.B. Frauenhaus;
vorbereitend Kontakt aufbauen, das Frauenhaus „besuchen“ etc.)
ȡ Wem kann ich mich anvertrauen? Wer hilft mir? (eine Unterstützungsperson finden und konkrete Abmachungen treffen, z.B. Kinderbezugsfrau in
einem Frauenhaus, JugendbetreuerIn, Mitarbeiterin der Interventionsstelle,...)
Kinder und Jugendliche sollen in gerichtlichen Verfahren und Fragen von
Sorgerecht und Besuchsrecht begleitet werden und die für die Kinder zuständige Mitarbeiterin hat die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass sekundäre Traumatisierungen vermieden und die Bedürfnisse und Rechte der Kinder realisiert
werden.
Die Arbeit mit Mütter und Kindern ist auch für MigrantInnenfamilien
sehr wichtig, in denen vor allem größere Kinder oft eine wichtige Rolle darin haben, den Kontakt mit dem Hilfesystem herzustellen. Um diese Aufgabe
erfüllen zu können, sind MitarbeiterInnen, die muttersprachliche Beratung
anbieten, erforderlich.87 Jugendliche benötigen oft eine eigene Bezugsperson,
die als Ansprechpersonen in Krisensituationen zur Verfügung steht. Dies ist
vor allem wichtig für jugendliche Mädchen und junge Frauen, die z.B. von
Zwangsverheiratung betroffen sind. Die Wiener Interventionsstelle ist zuneh87 Die Wiener Interventionsstelle bietet muttersprachliche Beratung in Türkisch, Serbisch/Kroatisch/Bosnisch und Armenisch.