38 lines
3.4 KiB
Markdown
38 lines
3.4 KiB
Markdown
Zur Rolle von Schule und Verwandten
|
||
|
||
105
|
||
|
||
der Wohnung auf der Grundlage des Gewaltschutzgesetzes betroffen sind.45
|
||
Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Opfer von häuslicher Gewalt das
|
||
Gewaltschutzgesetz intensiv nutzen und das Instrument bei der Polizei auf
|
||
relativ große Akzeptanz stößt. Der Vorteil des Gewaltschutzgesetzes besteht
|
||
in der beträchtlichen Belastungsreduzierung für die Opfer, indem den betroffenen Frauen, Müttern und Kindern nicht mehr das Verlassen der vertrauten
|
||
Umgebung zugemutet wird. Doch während es ambulante Beratungssysteme
|
||
für die Frauen gibt - auch wenn diese nicht immer optimal ausgestattet sind
|
||
- so steht die Entwicklung von psychosozialen Angeboten für die „Platzverweiskinder“ noch aus. Das Aktionsprogramm versteht sich als Ergänzung
|
||
zum Repertoire der Frauenhäuser, die aus strukturellen Gründen nur den
|
||
kleinen Kreis der stationär aufgenommenen Kinder erreichen können.
|
||
Das Forschungsfeld „Kinder und häusliche Gewalt“ muss im deutschsprachigen Raum als eigentliche terra incognita bezeichnet werden. Bisher
|
||
liegen nur vereinzelte Studien zur Situation von Kindern, die im Kontext von
|
||
häuslicher Gewalt aufwachsen, vor, wie etwa die traumatheoretische Untersuchung von Strasser (2001). Bislang gänzlich vernachlässigt blieben die
|
||
Sichtweisen der allgemeinen Population von Kindern und Jugendlichen, in
|
||
welcher Weise sie Diskurse über häusliche Gewalt rezipieren und welche
|
||
Schlüsse sie daraus ziehen. Beiden Fragestellungen widmet sich eine laufende Untersuchung mit dem Titel „Häusliche Gewalt aus Sicht von Kindern
|
||
und Jugendlichen“, die vom Schweizerischen Nationalfonds im Rahmen
|
||
des Nationalen Forschungsprogramms 52 „Kindheit, Jugend und Generationenbeziehungen im gesellschaftlichen Wandel“ und von der Zentralstelle
|
||
für Familienfragen im Bundesamt für Sozialversicherungen finanziert wird.46
|
||
Der folgende Beitrag wird erste Ergebnisse dieser groß angelegten Untersuchung vorstellen. Indem sowohl die Perspektive von betroffenen Kinder und
|
||
Jugendlichen als auch die Vorstellungen von 1400 SchülerInnen im Alter zwischen 9 und 17 Jahren erfasst wurden, ist die Studie in ihrer Anlage für den
|
||
deutschsprachigen Raum bisher einzigartig. Der Darstellung ausgewählter
|
||
Ergebnisse zu antizipierten Möglichkeiten und Barrieren im Zugang zu Hilfe und Unterstützung für betroffene Kinder und Jugendliche stelle ich einen
|
||
kurzen Forschungsüberblick über Ausmaß und Folgen der Mitbetroffenheit
|
||
45 Mit der wissenschaftlichen Begleitung des Aktionsprogramms „Kinder als Zeugen und Opfer von häuslicher Gewalt“ wurde die Autorin dieses Beitrags zusammen mit Prof. Dr. Barbara
|
||
Kavemann beauftragt. Das von der Landesstiftung Baden-Württemberg aufgelegte Progamm
|
||
führt der Paritätische Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg durch (www.paritaet-bw.de/lgst/
|
||
Ȧȏ ǰȱ£ȱȱȱŘŖŖŜǼǯ
|
||
46 „Häusliche Gewalt aus Sicht von Kindern und Jugendlichen“, NFP 52, Nr. 405240-68971
|
||
(www.nfp52.ch), Leitung: Dr. Corinna Seith, wissenschaftliche Mitarbeiterin: lic. phil. Irene
|
||
Böckmann, Laufzeit: Juli 2003 – März 2006. Interessierte LeserInnen mögen sich für weitere Publikationen über die Homepage des Schweizerischen Nationalfonds auf dem Laufenden halten
|
||
oder sich direkt an die Autorin wenden. Dr. Corinna Seith, Universität Zürich, Freiestr. 36, 8032
|
||
Zürich, Tel. 0041 (0)44 634 27 47, Email: cseith@paed.unizh.ch.
|