37 lines
2.8 KiB
Markdown
37 lines
2.8 KiB
Markdown
Die Arbeit der Psychologischen Beratungsstelle bei häuslicher Gewalt
|
||
|
||
373
|
||
|
||
Verhaltensauffälligkeiten der belasteten und zum Teil traumatisierten Kinder
|
||
wirken sich wiederum negativ auf die Eltern-Kind-Beziehung aus. Haben die
|
||
Mädchen und Jungen darüber hinaus nicht gelernt, Konflikte konstruktiv zu
|
||
lösen und Freundschaftsbeziehungen aufzubauen, erfahren sie auch außerhalb
|
||
der Familie, zum Beispiel in der Schule, wenig oder keine Unterstützung.
|
||
Weitere Belastungen der Söhne und Töchter ergeben sich aus der aktuellen Lebenssituation. Erleben die Kinder, dass sich die Mutter direkt nach
|
||
der ersten Gewalthandlung vom Partner trennt, bedeutet dies zum einen ein
|
||
eindeutiges Signal, dass Gewalt nicht geduldet wird. Zum anderen müssen
|
||
sie sich mit plötzlichen Veränderungen in ihrem Alltag auseinandersetzen.
|
||
Andere Kinder verbleiben mit ihrer Mutter zum Teil über viele Jahre in der
|
||
von Gewalt geprägten Familie. Sie werden immer wieder enttäuscht, weil die
|
||
Versprechungen des Vaters, nie mehr zu schlagen, und der Mutter, sich beim
|
||
nächsten Mal endgültig zu trennen, nicht eingehalten werden. Für manche
|
||
Mädchen und Jungen endet diese Situation erst, wenn sie selbst die Familie
|
||
verlassen (zu den Mustern und dem entsprechenden Unterstützungsbedarf
|
||
der Frauen nach einem Platzverweis s. Helfferich & Kavemann 2004).
|
||
|
||
Inanspruchnahme psychologischer Beratung bei häuslicher Gewalt
|
||
Psychologische Beratung nach dem Sozialgesetzbuch VIII § 28 ‚Erziehungsberatung‘ kann sowohl von Eltern, als auch von Kindern und Jugendlichen in
|
||
Anspruch genommen werden (s. SGB VIII § 8 ‚Beteiligung von Kindern und
|
||
Jugendlichen‘, s. BMFSFJ 2005). Ausgangspunkt für die Kontaktaufnahme ist
|
||
häufig eine familiäre Krise, in der die Selbsthilfepotentiale der Familie überfordert werden. Unter Umständen führen Interventionen bei akuter Gewalt
|
||
wie der sogenannte Platzverweis dazu, dass durch die Polizei Unterstützung
|
||
vermittelt werden kann.
|
||
Der Kontakt zu Beratungsstellen wird oft auch dann möglich, wenn Bewältigungsstrategien der Kinder als problematisch wahrgenommen werden. Dabei
|
||
geht ein Teil der Kinder und Jugendlichen große Risiken ein. Dazu gehören
|
||
unter anderem Alkohol- und Drogenmissbrauch, selbstverletzendes Verhalten, Schulverweigerung, das Begehen von Gewalt- und Straftaten und die Anbindung an entsprechende Szenen.
|
||
Trotz eines hohen Bedarfs wird ein Teil der Betroffenen durch Hilfen nicht
|
||
erreicht, da sie keinen Zugang zu bestehenden Institutionen finden oder Beratungsbeziehungen abbrechen. Zu den Gründen zählen fehlendes Verständnis,
|
||
ungeeignete Angebote und Angst vor Eingriffen seitens ‚des Jugendamtes‘
|
||
(vgl. Heynen 2002; Helfferich & Kavemann 2004). Dies gilt vor allem, wenn
|
||
ungeachtet des Gewaltverhältnisses von einem Gleichgewicht in der Paarbeziehung ausgegangen wird.
|