41 lines
2.8 KiB
Markdown
41 lines
2.8 KiB
Markdown
118
|
||
|
||
Der Blick der Forschung
|
||
|
||
„Der Lehrer unterrichtet das Kind nur… er bringt uns etwas bei. Aber für familiäre Sachen
|
||
ist er nicht zuständig.“ (M, 14)
|
||
„Für viele Schüler sind Lehrer ja keine persönlichen Gesprächspartner. Sie sind einfach Lehrer und somit „Quälpersonen“. Man will nicht, dass sie wissen was zu Hause abgeht.“ (M,
|
||
15)
|
||
|
||
Manche befürchten, dass die Thematisierung von häuslicher Gewalt die Eltern in ein schlechtes Bild rücken könnte und dies soziale und schulische
|
||
Konsequenzen nach sich ziehen würde. Auch Zweifel, ob die Lehrperson das
|
||
Problem verstehen würde und ob man LehrerInnen vertrauen kann, beschäftigt
|
||
einen Teil der Befragten. Die Älteren thematisieren zudem die soziale Distanz,
|
||
die in der Oberstufe mit dem Fachlehrersystem zunimmt und bringen auch das
|
||
Geschlecht der Lehrperson als entscheidungsrelevante Größe ins Spiel.
|
||
„Es kommt immer darauf an, ob man Vertrauen in den Lehrer hat, ob es den Lehrer inteǯȱȱȱ£ȱȱĞȱȱǮȃȱǯȱǰȱęȱȱ
|
||
sicher, dass das den Lehrer nichts angeht.“ (M, 15)
|
||
„Weil man meist in der Oberstufe nicht so einen intensiven Beug zum Lehrer hat, aber noch
|
||
eher zur Lehrerin als zum Lehrer.“ (M, 15)
|
||
|
||
Auch plötzlich ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu geraten, selbst wenn dies
|
||
gut gemeint ist und zur Lösung der misslichen Lage des Kindes beitragen soll,
|
||
kann ambivalente Gefühle auslösen. Keine Rückzugsmöglichkeiten mehr zu
|
||
haben, sich nicht mehr verstecken zu können, weil in der Schule der tägliche
|
||
Kontakt unausweichlich ist, aber auch Angst vor positiver Diskriminierung
|
||
durch Bevorzugung liegen den genannten Ambivalenzen zugrunde.
|
||
„Weil sie einen großen Aufwand machen würden und es dann große Gespräche geben würde
|
||
und man gar nicht gerne mit dem Lehrer spricht.“ (M, 17)
|
||
„Weil man sie eigentlich fast immer vor Augen hat und ich persönlich möchte Schule und
|
||
Privatleben trennen.“ (M, 13)
|
||
„Weil die vielleicht dich dann bevorzugen. Das ist für dich nicht schlimm, aber mit der Zeit
|
||
merken das die Mitschüler und dann könnten sie ihn/sie ausschließen.“ (J, 13)
|
||
|
||
Während die Befragten starke Zweifel äußerten, ob die Verwandten einem
|
||
Kind oder Jugendlichen glauben würden, bringen sie den LehrerInnen vergleichsweise größeres Vertrauen entgegen und befürchten seltener, um die
|
||
Glaubwürdigkeit ihrer Aussage kämpfen zu müssen. Jedoch beschäftigt sie
|
||
die Frage sehr, wie die Lehrperson mit den Informationen umgehen würde
|
||
und welche Konsequenzen dies für sie selbst und für die Eltern hätte. Das
|
||
Spektrum umfasst Befürchtungen, die Lehrperson würde die Informationen
|
||
weitererzählen und Straf- sowie Kindesschutzbehörden würden eingeschaltet,
|