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Hochuli Freund
31.7.17 S. 109
Bedeutung und Funktion von Hypothesen im Konzept KPG
scheinen und den Rahmenbedingungen und Möglichkeiten der Praxisorganisation gerecht werden (vgl. Hochuli Freund/Stotz 2015:179).1 Das methodische
Vorgehen in einer Analyse beginnt stets mit der Wahl von für den konkreten
Fall geeigneten Analysemethoden. Daraufhin folgt die Durchführung der Analysen, die sog. Datenerhebung, bei der Komplexität erhöht wird. Erst im letzten
Schritt, bei der Auswertung der Analyse, werden dann sog. konstatierende Hypothesen gebildet (vgl. ebd.:180f.). An dieser systematischen Auswertung der
erhobenen Daten wird der innovative Charakter und Mehrwert des Konzepts
KPG deutlich. Andere Methoden-Lehrbücher liefern zwar zahlreiche Methoden
und Instrumente, welche für die Analyse genutzt werden können (z. B. Galuske
2013, Stimmer 2012, von Spiegel 2013), Angaben zur Auswertung fehlen jedoch. Im Konzept KPG wird diese Lücke gefüllt, indem auswertend nicht nur
konstatierende Hypothesen formuliert, sondern abschliessend die Erkenntnisse
in einer Fallthematik auf den Punkt gebracht werden.
Speziell an den in der Analyse genutzten Hypothesen ist ihr feststellender,
beschreibender Charakter. Die in der Analyse erhobenen themenbezogenen Einschätzungen und Bewertungen von Klientin, Professionellen und weiteren Beteiligten werden priorisiert und zusammenfassend dargelegt. Hierbei handelt es
sich ausschliesslich um Feststellungen und noch um keine Erklärungen, das
heisst, es werden in der jeweiligen Systematik der Analysemethode die zentralen Ergebnisse herausgearbeitet. Um solche Hypothesen zu formulieren, ist
es hilfreich gedanklich auf eine Metaebene zu gehen und quasi aus der
Vogelperspektive, als nüchterne Betrachterin, Zentrales, Auffallendes, sich Widersprechendes, Überraschendes und/oder Irritierendes festzuhalten. Hierbei ist
wichtig, die Aufmerksamkeit auch stark auf den Klienten, die Fokusperson, zu
richten. Sind verschiedene Personen an der Analyse beteiligt, wurde die Analyse
also multiperspektivisch vorgenommen,2 so ist es wichtig, Gemeinsamkeiten
und Unterschiede eben dieser Einschätzungen zusammenfassend festzuhalten
(vgl. Hochuli Freund/Sprenger-Ursprung 2016:52). Je Analysemethode werden
so viele konstatierende Hypothesen wie nötig formuliert, um die zentralen Erkenntnisse der Einschätzungen zu fassen, es sollten jedoch auch nicht zu viele
sein, denn es geht hier um Komplexitätsreduktion und eine Bewegung der
Schliessung (siehe Abb. 12).
1 So können beispielsweise in der Kinder- und Jugendarbeit visualisierende Notationssysteme wie Silhouette, Netzwerkkarte oder Zeitstrahl eingesetzt werden. In der Behindertenhilfe werden häufig die ICF-basierte Analyse, Silhouetten und auch Perspektivenanalysen genutzt demgegenüber wird auf einem Sozialdienst eher von
qualitativen und quantitativen Analyserastern Gebrauch gemacht.
2 Das ist in einer Analyse grundsätzlich zu gewährleisten (siehe den Artikel Multiperspektivität und Kooperation von Hochuli Freund in diesem Band).
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