2026-001/documents/praxis/pages/268.md
KPG Mentor 0cec1b5740 feat: extract individual page markdown files from PDFs
Generated pages/ subfolders for all documents:
- arbeit: 386 pages
- praxis: 297 pages
- EPG: 11 pages

Page numbers are 0-based PDF indices matching the book viewer.
Extracted using pdftotext.
2026-03-05 11:13:56 +00:00

40 lines
2.9 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters

This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

Hochuli Freund
31.7.17 S. 268
Teil 3 Fallarbeit mit KPG
gut eignen, um den Fall und die Fallthematik zu erhellen. Die Auswahl geeigneter Theorien war die grösste Herausforderung im Diagnoseprozess.
Durch die theoriegeleiteten Fallüberlegungen erschien das Verhalten der Bewohnerinnen und Bewohner, die neue Tätigkeiten und Hilfsmittel ablehnten, in
einem ganz neuen Licht. Ich konnte Erklärungen finden für ihre Denk- und
Handlungsmuster, die ich zu Beginn der Fallbearbeitung nicht erahnt hatte.
Mit der Fokussierung auf das subjektiv empfundene Unvermögen der Bewohnerinnen und Bewohner ist ein grosser Mehrwert entstanden, für mich wie für
das Team. Die handlungsleitende Arbeitshypothese und die Fragestellung für
die Professionellen sind auch ausserhalb meines Projekts eine wichtige Grundlage, um die Unterstützung der Bewohnerinnen und Bewohner noch angemessener zu gestalten.
2.4
Prozessschritt Intervention: Neues Angebot
Musikhörstunde
Bereits nach Abschluss der Situationserfassung und Analyse entwickelte sich
die Idee eines Nachmittagsangebotes mit Musik, und zwar in Form gemeinsamen Musikhörens. Ich informierte alle Bewohnerinnen und Bewohner
über die wichtigsten Ergebnisse der Befragung und über meine Idee. Mein
Grundgedanke war, Künstlerinnen oder Künstler aus unterschiedlichen Zeitepochen auszuwählen und etwas über deren Leben zu erzählen. Danach soll
gemeinsam für etwa eine halbe Stunde Musikstücke gehört und im Anschluss
besprochen und interpretiert werden.
Diese Idee wurde durch die Erkenntnisse aus der Diagnose unterstützt.
Ich ging davon aus, dass das Musikhören von den Bewohnerinnen und Bewohnern gemäss primärer Kontrolle als eine angenehme Situation eingeschätzt wird, das keinerlei Bewältigungsverhalten erfordert. Gleichzeitig können neue Tätigkeiten erprobt werden: zusammen Musikhören hören und
gemeinsames Sprechen über Musik.
Das neue Nachmittagsangebot zu Musik habe ich monatlich durchgeführt. Die meisten »Musikhörstunden«, wie wir sie nannten, behandelten
klassische Musik. Einmal habe ich Angebot mit modernerer Musik aus den
1960er Jahren organisiert. Am Schluss gab es jeweils eine Feedback- und
Vorschlagsrunde für die nächste Musikhörstunde.
Erfreulicherweise waren bei jeder Musikhörstunde mehr als die Hälfte der
Bewohnerinnen und Bewohner anwesend. Auch das Angebot mit moderner
Musik fand Anklang, es nahmen Bewohnerinnen teil, die sich sonst eigentlich nur für klassische Musik interessieren. Das Feedback war stets positiv.
Eine Bewohnerin äusserte, dass sie sich schon länger ein solches Angebot gewünscht hatte. Andere Bewohnerinnen sagten, dass sie die Kombination von
Informationen zu den Interpreten, Besprechen und Musik hören als spannend und abwechslungsreich empfänden.
Die Entwicklung der Musikhörstunde, die Erfahrungen bei der Durchführung, die Diskussionen über die Musik, all das war für mich persönlich sehr
268