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Hochuli Freund

31.7.17 S. 45

Anforderungen an professionelles Handeln

Insgesamt wird durch KPG der Schwerpunkt stärker auf die analytische Phase gelegt. Die Methodik trägt durch die Trennung in Situationserfassung, Analyse und Diagnose zu mehr Klarheit bei. Die Sensibilisierung auf die Unterschiede und jeweiligen Aufgaben der verschiedenen Prozessschritte bewirkt letztendlich ein differenzierteres Vorgehen. Ziel ist es, das Modell als Denkstruktur des eigenen Handelns zu verinnerlichen, um es auch im Alltag routiniert anwenden zu können. Dadurch wird ein ständiger Wechsel zwischen der analytischen Ebene und der Handlungsebene möglich (vgl. ebd.:229, 326f.). Theoriegeleitetes Fallverstehen eine neue Diagnose-Methode für die Praxis Diagnostik und Fallverstehen ist in der Sozialen Arbeit ein viel und kontrovers diskutiertes Thema. Die Auseinandersetzung damit hat in der Vergangenheit stark zugenommen. Diagnose ist eine der zentralen Fachkompetenzen Sozialer Arbeit (vgl. Schrapper 2004:40). Für die Diagnose gibt es nur eine Handvoll, in der Praxis eher weniger bewährte Vorgehensweisen. In der Regel werden in der Literatur verschiedene diagnostische Verfahren angeführt, die im Verständnis von KPG entweder der Analyse zuzuordnen sind oder bei der Diagnose zur Kategorie der rekonstruktiven Methoden zählen. Bei diesen geht es darum, die »subjektiven Prozesse und Muster zu rekonstruieren, die im Verlauf der Lebensgeschichte eines Menschen seine Wahrnehmungen, Deutungen und Handlungsorientierungen geprägt haben« (ebd.:47). Die rekonstruktiven Verfahren sehen sich häufig mit der Herausforderung der Anwendbarkeit in der Praxis konfrontiert, da sie einem disziplinären Hintergrund entstammen. Beispielsweise wird beim biografischen Fallverstehen die Frage gestellt, »wieweit sich ein optimal geeignetes sozialwissenschaftliches Forschungsinstrument für Kontexte der Sozialen Arbeit eignet« (Meinhold 2006:59). Wird, wie bei Jakob, von einem Nutzen ausgegangen, steht im Vordergrund, »inwieweit es gelingt, die berufliche Praxis und (potenzielle) Praktiker/innen für den Einsatz ausgearbeiteter rekonstruktiver Verfahren zu gewinnen« (2002:119). Zudem braucht es ihrer Meinung nach mehr und bessere praxistaugliche Zugänge für das Fallverstehen (vgl. ebd.). KPG kann diesen Forderungen insofern genügen, dass sie ein Bewusstsein für die Notwendigkeit von Diagnose schafft wodurch rekonstruktive Methoden zu mehr Zuspruch und Anwendung kommen können und ein eigenes neues Verfahren für die Diagnose bietet, welches in der Praxis angewendet werden kann. Das Theoriegeleitete Fallverstehen (dazu ausführlich Hochuli Freund/Stotz 2015:220236) stellt eine bedeutende Errungenschaft innerhalb des Konzepts KPG dar. Dabei soll es gelingen, eine eigenständige Expertise aufzubauen, die zugleich die Aushandlung und Vermittlung mit den Klientinnen und Klienten im Blick hat (vgl. Schrapper 2004:49). Der postulierte Hypothesencharakter der Diagnose will eine Anmassung auf objektive Gültigkeit vermeiden. Durch das klar strukturierte Vorgehen wird dem Anspruch Rechnung getragen, die »unvermeidliche Reduktion so begründet zu gestalten und zu dokumentieren, 45