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und auch Zeit zuzumessen ist, Zeit für eine genaue Analyse und Diagnose,
Zeit auch für eine sorgfältige Evaluation.
Ziel einer Ausbildung auf Hochschulebene ist es, die Entwicklung eines
solchen Grundverständnisses von professionellem Handeln zu ermöglichen.
Erforderlich dazu ist zunächst Wissensvermittlung bzw. -erwerb zu den
Grundlagen Sozialer Arbeit, zum Konzept und zu einzelnen Methoden. Für
den Kompetenzerwerb zu methodisch strukturierter Fallarbeit auf dieser
Basis ist Übung nötig und Übung und Übung. Es braucht didaktische
Arrangements, die im handlungsentlasteten Raum der Hochschule eine
deutliche Verlangsamung des Fallbearbeitungsprozesses zulassen und eine
Komplexitätsreduktion vorsehen, indem die Fallbearbeitung zunächst auf
die Fachebene beschränkt wird. Neben der Notwendigkeit, Fallbearbeitung
und Prozessgestaltung zunächst theoretisch zu lernen und in der
handlungsentlasteten Situation zu üben, braucht es des Weiteren
Möglichkeiten, Prozessgestaltung in der berufspraktischen Situation, in
Kooperation mit Kollegen und in Kooperation mit Klientinnen ausprobieren
und einüben zu können (was eine deutliche Komplexitätssteigerung
bedeutet). Der Erwerb von Professionskompetenz bedarf u. E. unabdingbar
zweier Lernorte: Den Lernort Hochschule zur Wissensvermittlung und zur
handlungsentlasteten gemeinsamen Arbeit an Fällen und den Lernort in der
Praxis mit den realen Handlungssituationen in Kooperation mit
Klienten(systemen). Auch sind Gefäße nötig, in denen eine
Auseinandersetzung stattfinden kann über die Unterschiede zwischen den
an diesen beiden Lernorten vermittelten Inhalten und Praktiken.
Denn am Lernort Praxis stehen die Studierenden zumeist vor der
Herausforderung, dass eine Organisation nach einer eigenen, oftmals
bürokratischen Logik funktioniert, bei der Vorgehensweisen bei
bestimmten Situationen und Problemen institutionalisiert sind, die
teilweise mündlich tradiert sind und gemäß impliziten und d. h. zunächst
nicht diskutierbaren Regeln bearbeitet werden, und nicht gemäß der
idealtypischen Vorgehensweise, wie sie in diesem Lehrbuch vorgestellt
wurde. Die Logik der Organisation steht manchmal im Widerspruch zur
Logik eines einzelnen Falles ( Kap. 12.2). Eine hilfreiche Übungsaufgabe
für Studierende kann darin bestehen, dass sie Elemente von
Prozessgestaltung in der Praxis erkennen können (z. B. einen bestimmten
Erfassungsbogen als Raster zur Perspektivenanalyse zu identifizieren); auf
diese Weise lernen sie, sich in beiden Logiken zu bewegen und dazwischen
hin und her zu wechseln. Außerdem sollen sie erkennen können, wann in
fachlich begründeter Weise der eingespielten Routine und/oder
institutionalisierten Abläufen zuwider gehandelt werden soll, damit man
einem Klienten(system) wirklich gerecht wird (dies kann beispielsweise
dann der Fall sein, wenn noch nicht klar ist, was denn eigentlich die
Fallthematik ist bzw. wenn ein Fall noch zu wenig verstanden ist).
Kooperative Prozessgestaltung in dieser ausführlichen und in der
Durchführung wie erwähnt verlangsamten Form, wie sie im Lehrbuch
dargestellt worden ist, sehen wir als notwendig für den Prozess der
Kompetenzentwicklung. Erst dann, wenn eine Studentin verstanden hat, was
Analyse genau bedeutet welche Bewegung der Komplexitätserweiterung
und -reduktion hier beispielsweise erforderlich ist , erst dann kann sie
angemessen mit Hilfe einer geeigneten Analysemethode die verschiedenen