2026-001/documents/arbeit/pages/160.md
KPG Mentor 0cec1b5740 feat: extract individual page markdown files from PDFs
Generated pages/ subfolders for all documents:
- arbeit: 386 pages
- praxis: 297 pages
- EPG: 11 pages

Page numbers are 0-based PDF indices matching the book viewer.
Extracted using pdftotext.
2026-03-05 11:13:56 +00:00

48 lines
3.1 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters

This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

eine Klientin stets mehrere Aufträge vorhanden. Es geht also um
klientenbezogene Aufträge. Alle an einem Fall Beteiligten formulieren
Handlungserwartungen an die Professionellen einer Einrichtung: die
einweisende Behörde, der Klient selbst, die Fachkräfte selbst,
möglicherweise Familienangehörige, andere Hilfesysteme, vielleicht auch
nicht direkt involvierte Dritte (wie z. B. Nachbarn).
Die neu zugezogene Bewohnerin möchte Kontakte knüpfen können zu
anderen jungen Müttern im Quartier der Strafrichter ordnet
Auseinandersetzung mit der eigenen Gewalttätigkeit an, der Klient
möchte eine Berufsausbildung machen der alkoholabhängige Mann
kommt in eine erste Beratung, weil seine Lebensgefährtin ihn schickt.
Klientenbezogene Aufträge umreißen Themen, beinhalten Anliegen an die
Fachkräfte und geben so eine grobe Zielrichtung für den
Unterstützungsprozess vor. Dies ist die Basis für die professionelle Arbeit,
nun kann mit der Situationserfassung begonnen werden. Manchmal
allerdings sind die klientenbezogenen Aufträge zunächst unklar
(beispielsweise beschränkt sich eine zuweisende Stelle auf die Zuweisung,
ohne ein konkretes Anliegen zu formulieren und die zugewiesene Klientin
äußert selbst keine Anliegen an die Fachkräfte). Manchmal sind die
Handlungserwartungen von Einzelnen oder von unterschiedlichen
Beteiligten auch widersprüchlich.
Im ersten Beispiel ist der klientinnenbezogene Auftrag klar (wobei man
hier eher von Anliegen der Quartierbewohnerin sprechen würde). Im
zweiten Beispiel könnte auch nur die Haftstrafe angeordnet sein (was
dem Organisationsauftrag entspricht), und/oder der Klient sagt lediglich,
die Verurteilung sei ungerechtfertigt gewesen und er wolle hier gar nichts
(kein Auftrag). Im dritten Beispiel will der Mann an seinem
Alkoholkonsum nichts ändern, möchte aber verhindern, dass seine
Lebensgefährtin ihn verlässt (seine Anliegen sind also in sich
widersprüchlich).
In Fällen mit unklaren klientenbezogenen Aufträgen dient die erste
Prozessphase der Auftragsklärung. Der Organisationsauftrag gibt hierfür
einen Rahmen vor. Es gilt herauszufinden, um welche Themen es geht,
welche Anliegen und Handlungserwartungen die unterschiedlichen
Beteiligten an die Fachkräfte haben. Der Auftrag einer Klientin selbst (d. h.
was sie von den Fachkräften erwartet) gehört hier immer dazu, ebenso der
Auftrag der zuweisenden Stelle, welche die Leistungen finanziert. Wichtig
ist auch der Auftrag, den die Fachkräfte für sich selbst formulieren (d. h. was
ihnen wichtig ist bei der Begleitung und Unterstützung dieser Klientin).
Auch ist zu prüfen, ob die Organisation wirklich die geeignete Stelle ist für
diesen Fall, d. h., es geht um die Klärung der eigenen Zuständigkeit (
Kap. 3.2.1.)
Bei widersprüchlichen Aufträgen von unterschiedlichen Beteiligten gilt es
Transparenz herzustellen und einen Aushandlungs- und Klärungsprozess
einzuleiten. Neben den explizit ausgesprochenen Anliegen gibt es des
Öfteren auch implizite, d. h. verdeckte zusätzliche Aufträge von einzelnen
Beteiligten. Diese sind manchmal bereits zu Beginn spürbar vorhanden, sie