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9.6.2
Zugänge für eine Ressourcen- und Problemanalyse
Die Orientierung an Ressourcen ist ein Grundprinzip der Sozialen Arbeit,
haben wir in Kapitel 2.2.3 festgestellt ( Kap. 2.2.3). Gleichzeitig nehmen
Klienten fast immer aufgrund von zumeist komplexen Problemstellungen
Unterstützungsangebote der Sozialen Arbeit in Anspruch (ausgenommen
sind hier u. a. die Angebote der Gemeinwesenarbeit). Analysemethoden sind
deshalb grundsätzlich darauf ausgerichtet, das Erkennen von Ressourcen
und die Bestimmung von Problemen und/oder Risiken zu ermöglichen, das
haben wir bereits zu Beginn dieses Kapitels (unter Kap. 9.1) festgehalten.
Viele Analyseinstrumente greifen dementsprechend diese beiden
Kategorien auf: sei es, dass sie ausschließlich die Ressourcen von
Klientinnen sichtbar machen, sei es, dass sowohl Ressourcen,
Schutzfaktoren/Stärken erhoben wie auch Probleme erfasst werden oder
zusätzlich auf die Problemlösung bezogene Ressourcen (vgl.
Flückiger/Wüsten 2015:20). Dabei ist der Standardisierungsgrad der
verschiedenen Instrumente sehr unterschiedlich (vgl. Buttner
2018c:310 ff.). Wir beginnen mit der Skizzierung der teilstandardisierten
Verfahren.
Unter Kapitel 9.5.2 haben wir die Methoden-Sammlung PRO-ZIELBasisdiagnostik von Heiner vorgestellt, insbesondere den Leitbogen, mit
dem die Belastung in verschiedenen Lebensbereichen entlang vieler Items
in einer Skala eingeschätzt und codiert wird ( Kap. 9.5.2). Neben dieser
quantitativen Erfassung der Belastung enthält der Bogen aber auch
qualitative Elemente, indem bei jedem Lebensbereich Anmerkungen
eingefügt werden können zur Dauer des Problems, zum Umgang des
Klienten damit und zu seinen Ressourcen bezüglich des Problems.
Exemplarisch soll hier nun zunächst ein qualitatives Verfahren/ein
Assessment-Bogen vorgestellt werden, den Neuffer (2013) für das Case
Management entwickelt hat und als Problem- und RessourcenanalyseEinschätzung (vgl. 148 f.) bezeichnet. Das ausführliche qualitative
Verfahren enthält einen zweiseitigen Bogen, der verschiedenste
Dimensionen zur Person und ihrer Lebenssituation umfasst, zu denen stets
Ressourcen und Defizite eingetragen werden sollen.
• individuelle Situation aller beteiligten Klientinnen (z. B. nach der
systemischen Denkfigur Kap. 9.7.1)
• sozioökonomische und -ökologische Situation (u. a. Schulden, Arbeit)
• familiäre Beziehungen und Situation (neben Ressourcen/Defiziten auch
Beurteilung gleichgewichtig oder machtbezogen; inkl. Genogramm)
• Umfeldbeziehungen, personale Vernetzung der Einzelnen und der Familie
mit Einzelnen (dito, inkl. Soziogramm)
• institutionelle Vernetzung der Einzelnen und der Familie mit sozialen
Institutionen (dito),
• Situation im Sozialraum oder Arbeitsfeld der Zielgruppe (fallbezogen)
• fachliche Einschätzung des Case Managers zu
a. Kommunikation/Konflikten, b. Beziehungen/Macht, c. Kooperation
zwischen Klientin und Sozialarbeiterin
• eigene Einschätzung der beteiligten KlientInnen zu a., b., c.,