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Primäre Prävention von Partnergewalt: Ein entwicklungsökologisches Modell
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nachlässigung, Partnergewalt, sexueller Missbrauch), Phasen von erhöhtem
Interesse und Optimismus, sowie Phasen eines geringeren gesellschaftlichen
Interesses und eines weit verbreiteten Pessimismus im Hinblick auf ihre
Wirksamkeit erlebt (z.B. Daro & Donnelly 2002). Diese Wechselhaftigkeit lässt
sich teilweise verstehen als Ausdruck einer anfänglich häufig schwachen konzeptuellen und empirischen Fundierung von Präventionsansätzen in vielen
Anwendungsbereichen, so dass von guten Absichten getragene Wirkungshoffnungen leicht in scharfen Gegensatz zu ersten empirischen Wirksamkeitsanalysen gerieten. In Reaktion auf diese Situation hat sich im Schnittfeld
mehrerer Disziplinen (vor allem Medizin, Kriminologie, Psychologie, Pädagogik) eine Präventionswissenschaft herausgebildet (Coie et al. 1993), deren
Ziel es ist, Präventionsansätze von Anfang an so zu konzipieren, dass eine
möglichst hohe Wirksamkeit zu erwarten ist. Im Rahmen dieser Wissenschaft
wurden handlungsfeldübergreifende Konzepte zur Entwicklung und Bewertung von Präventionsansätzen entworfen, die im Rahmen dieses Beitrags als
Hintergrund für die Beschreibung des Forschungsstandes bezüglich der primären Prävention von Partnergewalt dienen. Ein bekanntes, auf Price (1983)
zurückgehendes Modell unterscheidet unter anderem eine generative Phase, eine Innovationsphase und eine Versuchsphase bei der Entwicklung bzw.
Bewertung von Präventionsansätzen. Aufgabe der generativen Phase ist es,
die verfügbare Grundlagenforschung zu Ursachen von Partnergewalt zusammenzufassen, da wirksame Präventionskonzepte meist auf gut begründete
Vorstellungen von der Entstehungsweise eines Problems aufbauen (Nation
et al. 2003). In der Innovationsphase steht die Ableitung möglicher Ansatzpunkte für Präventionsmaßnahmen aus dem verfügbaren Wissen über die
Entstehung von Partnergewalt im Mittelpunkt. In der Versuchsphase geht es
um diejenigen Ausschnitte möglicher Ansatzpunkte, die bereits Gegenstand
konkreter Erprobungen von Präventionsmaßnahmen waren. Die hierbei gewonnen Erfahrungen und Befunde werden im Hinblick auf Wirksamkeit und
Tragfähigkeit ausgewertet. Auf den drei genannten Schritten baut im Folgenden auch dieser Beitrag auf.
Die methodische Herangehensweise der Präventionswissenschaft hat
in vielen Handlungsfeldern Anwendung gefunden. In mehreren Bereichen
wurde darauf aufbauend eine neue Generation von Präventionsprogrammen
entwickelt und mit positiven Resultaten evaluiert. Insgesamt ist damit das
Vertrauen in die Wirkmöglichkeiten gut begründeter Präventionskonzepte
gestiegen (für Forschungsübersichten zur Wirksamkeit der Prävention von
Erziehungsschwierigkeiten und kindlichen Verhaltensauffälligkeiten siehe
Durlak & Wells 1997, zur Prävention von sexuellem Missbrauch siehe Kindler
2003, zur Prävention von Kindesmisshandlung bzw. vernachlässigung siehe
Geeraert et al. 2004). Im Bereich der Prävention von Partnergewalt wurden
am Konzept der Präventionswissenschaft orientierte Forschungsübersichten
bislang unter anderem von MacMillan et al. (2001), sowie Wolfe & Jaffe (1999)