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Herausforderungen an die soziale und pädagogische Arbeit
indem über eine neue, auf gegenseitiger Anerkennung beruhenden, stabilisierende Beziehungserfahrung neue emotionale Erfahrungen gemacht und Hilfe angenommen und umgesetzt werden kann, wie es bei Frau A. durch ihre
Frauenhausaufenthalte und die Erziehungsberatungsstelle der Fall ist.
Kulturelle Einbettung von Gewalt in das Geschlechter- und Generationenverhältnis
In der vornehmlich von Frauen geführten Auseinandersetzung mit Gewalt
gegen Frauen spielte immer die Hoffnung eine Rolle, dass Frauen nicht aktiv
in Gewalt verstrickt sind (Kavemann 1995). Aber gerade in Frauenhäusern
wird sichtbar, dass auch misshandelte Frauen nicht frei davon sind, ihre Kinder wie ihren Privatbesitz zu behandeln, sie zu vernachlässigen oder zu schlagen (Henschel 1993). Diese Erfahrung ist schwer aushaltbar, muss aber in das
Bild von misshandelten Frauen und ihren Kindern und in die professionelle
Arbeit - als Möglichkeit - integriert werden, damit soziale Hilfeansätze auch
diese Frauen und ihre Kinder erreichen.
Wenn Opfer männlicher Gewalt ihrerseits Gewalt gegen Schwächere - zumeist Kinder - ausüben, verunmöglicht die eigene Gewalttätigkeit eine eindeutige Haltung gegenüber Gewaltanwendung in intimen Beziehungen.
Weibliche Gewalttätigkeit gegenüber Kindern , ob in Form des „Ausrastens“
oder als vorgeblich „rational“ eingesetztes Mittel, kann dazu führen, dass
Mütter männliche Gewalt über lange Zeit oder auf Dauer ertragen, wenn
nämlich Gewalthandlungen als erwartbarer Ausdruck von Wut und/oder als
Steuerungsmöglichkeit in familialen Beziehungen angesehen werden. Gewalt
in engen Beziehungen (Mann/Frau, Mutter/Kind) erhält vor allem dann einen
Grad von „Normalität“, wenn entsprechende Kindheitserfahrungen gemacht
wurden und zu einem gewissen Grad normativ als „Erziehungsmittel“ abgedeckt werden. Sexuelle männliche Übergriffe (oder in selteneren Fällen auch
weibliche) können ebenfalls auf einer mangelnden Differenzierung zwischen
eigenen und fremden Bedürfnissen verbunden mit hierarchischen Besitzvorstellungen vom Mann gegenüber der Frau und Eltern gegenüber den Kindern
beruhen.
Der innere Zusammenhang zwischen dem Erdulden männlicher und dem
Ausüben eigener Gewalt besteht sowohl auf der Ebene psychodynamischer
Verstrickungen, als auch auf der Ebene kultureller Konzepte hierarchisch organisierten Familienlebens. Gewalterfahrungen in der Herkunftsfamilie erhöhen das Risiko, selbst Opfer respektive Täter zu werden, wenn väterliche und
mütterliche Verhaltensweisen qua Identifikation übernommen werden. Eine
repräsentative Schweizer Studie ergab, dass in gewalttätigen Partnerschaften
die gewalterleidenden Frauen deutlich häufiger Opfer elterlicher Gewalt waren
(durch Vater und Mutter) als bei nicht gewalttätigen Paaren (Gillioz u.a. 1997).