2026-001/documents/theory/diagnostics/handbuch-kinder-und-haeusliche-gewalt/pages/431.md

40 lines
3.1 KiB
Markdown

434
Konsequenzen und Perspektiven
nimmt (z.B. Williams & Hawkins 1989, Dugan 2003). Allerdings sind die
vorliegenden Forschungsergebnisse nicht gänzlich einheitlich, auch scheinen
nicht alle Bevölkerungsgruppen gleich auf staatliche Strafdrohungen zu reagieren. Zudem sind andere Erklärungen des vorliegenden Zusammenhanges
möglich, beispielsweise könnte die Härte gesetzlicher Regelungen nur die
ohnehin vorhandene Einstellung in der Bevölkerung gegen Partnergewalt
widerspiegeln (für eine aktuelle Erörterung siehe Williams 2005). Trotzdem
ist generell ein vorsichtiger Optimismus hinsichtlich einer präventiven Wirkung konsequenten juristischen Vorgehens gegen Partnergewalt gerechtfertigt. Aus der Bundesrepublik scheint aber nicht bekannt, inwieweit hier
veränderte Maßnahmen der Polizei und Justiz gegen Partnergewalt von der
Bevölkerung überhaupt wahrgenommen werden und mit Veränderungen in
den Haltungen zu Partnergewalt und in der Häufigkeit von Partnergewalt
einhergehen.
In vielen Frauenhäusern und einigen Städten (z.B. Karlsruhe: Heynen
2005) existieren Gruppenangebote für Kinder, die Partnergewalt miterleben
mussten. Diese Angebote sollen Kinder zuallererst entlasten und bei der Bewältigung ihrer Erfahrungen unterstützen (für eine Übersicht über verschiedene Programme siehe Kindler 2002). Mitgedacht wird häufig aber das Ziel,
ein späteres Ausüben oder Erdulden von Partnergewalt unwahrscheinlicher
zu machen. Ob dies gelingt ist gegenwärtig allerdings noch unklar, da bislang
keine Langzeitevaluationen vorliegen. Mehrere vorhandene Kurzzeitevaluationen (für eine Forschungsübersicht siehe Graham-Bermann 2001) deuten
aber darauf hin, dass die psychische Belastung und das Ausmaß an Problemverhaltensweisen bei vielen der teilnehmenden Kinder vermindert werden
kann. Langfristige Effekte sind demnach zumindest nicht ausgeschlossen,
aber auch nicht belegt.
Wenngleich in der Bundesrepublik noch weitgehend unbekannt, wird
Gruppenarbeit mit Jugendlichen zur Förderung von Beziehungsfähigkeiten
und zur Stärkung der Ablehnung von Partnergewalt international vielfach als
ein bedeutsames Kernelement von primären Präventionsprogrammen gegen
Partnergewalt angesehen. Mehrere Programme wurden veröffentlicht (z.B.
Wolfe et al. 1996, Foshee & Langwick 2004). Generell beschäftigen sich die
Programme mit Einstellungen gegenüber Gewalt und Zwang in Beziehungen,
sowie dem Umgang mit Macht und Konflikten. Neben Informationseinheiten
werden vielfach auch Rollenspiele eingesetzt. Einige Programme (z.B. Wolfe
et al. 2003) konzentrieren sich auf Jugendliche, die aufgrund von Misshandlungserfahrungen in der Kindheit einem erhöhten Risiko von Partnergewalt
ausgesetzt sind. Die Mehrzahl der Programme wendet sich jedoch an unausgelesene Gruppen von Jugendlichen (z.B. Schulklassen). Gegenwärtig liegen
etwas mehr als zehn Wirkungsstudien zu solchen Programmen vor (für eine
Forschungsübersicht siehe Whitaker et al. im Druck). Demnach scheint es
den erprobten Programmen überwiegend zu gelingen über Partnergewalt
zu informieren und die Ablehnung von Gewalt zu stärken. Bei zwei Nach-