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Konsequenzen und Perspektiven
Eine dritte Gruppe von Ansatzpunkten für eine Prävention von Partnergewalt ergibt sich aus den Befunden zu eingeschränkten Beziehungsfähigkeiten
bei gewaltausübenden Partnern und dem Entwicklungsverlauf von Gewaltproblemen. Drei Hauptstränge prägen hier die Diskussion.
Der erste Strang baut auf entwicklungspsychologischen Erkenntnissen auf,
wonach im Jugendalter Paarbeziehungen für junge Frauen und Männer sehr
bedeutsam werden und sich auf der Grundlage ihrer bisherigen Bindungsund Peererfahrungen unterschiedliche Beziehungsfähigkeiten und -defizite
herauskristallisieren, die dann auch für das Erwachsenenalter noch bedeutsam sind (für Forschungsübersichten siehe Florsheim 2003, Sroufe et al. 2005).
Entsprechend ist Partnergewalt auch bereits in romantischen Beziehungen im
Jugendalter in Deutschland und in anderen Ländern ein Problem (für eine
international vergleichende Studie siehe Straus 2001). Eine Reihe von Autoren und Autorinnen haben daraus den Schluss gezogen, dass die Förderung
von Beziehungsfähigkeiten und die Arbeit gegen Partnergewalt frühzeitig,
d.h. im Jugendalter, einsetzen muss (z.B. Wolfe & Jaffe 1999). Die dabei gewählten Ansätze thematisieren zum einen Gewalt, Macht und Kontrolle in
Beziehungen und versuchen zum anderen gewaltfreie Kommunikations- und
Konfliktfähigkeiten zu fördern. Entsprechende Programme sind in einigen
Ländern weit verbreitet, in der Bundesrepublik bislang aber kaum vertreten.
Der zweite Diskussionsstrang nimmt an, dass vor einem ersten Auftreten
von Partnergewalt im Erwachsenenalter bereits bestehende eingeschränkte
Beziehungsfähigkeiten und eine Tendenz zu kleineren Grenzverletzungen
(z.B. verbale Aggressivität, psychische Kontrolle) in einigen Fällen bei Paaren
einen Leidensdruck bei mindestens einem Partner erzeugen und zur Bereitschaft der Inanspruchnahme von Paarberatung oder Ehevorbereitungskursen
führen. Diese Angebote, so die Hoffnung (z.B. Smithey & Straus 2004), könnten
dann partnerschaftliche Einstellungen und positive Kommunikations- bzw.
Konfliktfähigkeiten fördern und Grenzverletzungen sowie Machtungleichgewichte abbauen helfen. Angebote der Paarberatung und Ehevorbereitung
sind in der Bundesrepublik, wie in anderen westlichen Demokratien, weit
verbreitet und vorliegende Evaluationen (z.B. Klann & Hahlweg 1994) sprechen für eine generell gegebene Wirksamkeit. Inwieweit jedoch Paare, die in
der Gefahr stehen Partnergewalt zu erleben, mit bestehenden Angeboten erreicht und erfolgreich unterstützt werden können, scheint nicht bekannt.
Der dritte Strang der Diskussion konzentriert sich schließlich auf zwei
Punkte in der Entwicklung von Paarbeziehungen, die sich auf der einen
Seite durch ein erhöhtes Gewaltrisiko und auf der anderen Seite durch eine
erhöhte Verletzlichkeit möglicher Opfer auszeichnen. Gemeint sind Schwangerschaften und Trennungssituationen. Jedoch wird hier jeweils die Schwelle
zur sekundären Prävention überschritten, da sich die in der Literatur vorfindbaren Überlegungen (z.B. MacMillan et al.2001) vor allem darauf beziehen
von Partnergewalt betroffene Frauen durch die Schulung und Sensibilisierung
von Fachkräften, sowie routinemäßig eingesetzte Screeningfragen möglichst