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7.2.1 Strömungen
Verschiedensten Strömungen und Beeinflussungen ausgesetzt, hat
sich die psychiatrische Landschaft während der letzten drei
Jahrzehnte deutlich gewandelt. Es hat eine starke Entwicklung
gegeben weg von den behindernden Strukturen der großen
Institutionen hin zu den betroffenen Menschen, zu ihrem Alltag und
ihrem Leben in den Gemeinden.
Dadurch veränderte sich auch die Wahrnehmung und die
Beschreibung des individuellen Leidens. An die Stelle der
professionellen Macht, Probleme und mögliche Lösungswege zu
definieren, tritt zunehmend die Anerkennung des subjektiven
Eigensinns der Welt des als psychisch krank bezeichneten Menschen
und seines Expertentums für die ureigenen Angelegenheiten.
Verhandeln statt Behandeln ist eine der schlagwortartigen
Formeln, in der zum Ausdruck gebracht ist, dass die als psychisch
krank bezeichneten Menschen nicht mehr als Objekte von
Behandlung, sondern mehr und mehr als Nutzer psychiatrischer
Dienste angesehen werden und angesehen werden wollen.
Als dementsprechend wichtig ist die Pflege einer lebendigen
Kultur des Trialogs als ständige und notwendige Herausforderung für
die Beziehungsgestaltung zwischen Betroffenen, Angehörigen und
Professionellen anzusehen.
Die Kompetenz und die Bereitschaft, eine Rolle als „König Kunde“
einzunehmen, kann und darf jedoch nicht bei allen als psychisch
krank bezeichneten Menschen vorausgesetzt werden. Bei vielen
Betroffenen kann ein Gefühl weitgehender Entmutigung
angenommen werden, das ein oftmals spürbares Bedürfnis nach
Rückzug und In-Ruhe-gelassen-Werden auslöst. Aus dem Wunsch
heraus, sich vorsichtig zu orientieren und dem eigenen Leben wieder
mehr Sicherheit zugeben, vermeiden manche Psychiatrieerfahrene
das Aussprechen von Zielen oder falls das Formulieren von Zielen
nicht zu umgehen war verweigern die Mitarbeit an den
konkretisierten Plänen.