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7.1.2.6Positive Umdeutung Welche veränderte Haltung ließe sich aus dem erweiterten Verständnis der bei Frau L. vorherrschenden Deutungs- und Bewältigungsmuster einnehmen? Die spontane Reaktion auf die Problembeschreibungen und die Verhaltensweisen von Frau L. bestanden bislang im (als interaktionelle Einladung gedachten) Versuch der Mitarbeiterin, sie dazu zu bewegen, für ihr Leben mehr Verantwortung zu übernehmen, aktiver ihr Leben zu gestalten und schrittweise eine Veränderung herbeizuführen. Frau L. fühlte sich durch solche Vorstellungen und Vorschläge in ihrer Annahme bestärkt, niemand könne sie und ihre Lage verstehen. Den – wenn auch einfühlsam formulierten – Appell, sich bzw. ihren Alltag zu ändern, erlebte sie als Vorwurf und Ausdruck mangelnden Verständnisses. Die Vorstellung, Verantwortung für die Gestaltung des eigenen Lebens übernehmen zu können, legt gleichzeitig den Gedanken nahe, schuld zu sein am eigenen Scheitern, an den erlebten Katastrophen, nicht nur Opfer, sondern auch Täter gewesen zu sein. Die Abwehr von Schuld und Verantwortung hat sich vielleicht auf diese Weise zu einer kontextbedingten identitätserhaltenden Überlebensstrategie von Frau L. entwickelt. Aber lassen sich in den vielfältigen Umbrüchen und Krisensituationen, die Frau L. im Laufe ihres Lebens erlebt und erlitten hat, nicht gleichzeitig vielfältige Ressourcen entdecken, die – wenn sie entsprechend gewürdigt werden – durchaus ein anderes Bild von Frau L. ergeben?