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7.1.1 Grundannahmen, Grundhaltungen und
Handlungsrichtlinien des systemischen Denkens und
die praktischen Konsequenzen
Systemische Therapieansätze nehmen Bezug auf eine Vielfalt zum
Teil widersprüchlicher und unterschiedlich gewichteter Konzepte aus
der
Erkenntnistheorie,
der
Systemtheorie
und
den
Naturwissenschaften; zu verweisen ist hier auf die Konzepte der
Grenze, des Beobachtungssystems, der Selbstorganisation, der
subjektiven
(Re-)Konstruktion
von
Wirklichkeit
und
dem
Symbolsystem der Sprache.
Welche Konsequenzen ergeben sich aus diesen Konzepten für die
Begegnung zwischen Sozialarbeiterin und Auftraggeberin im
psychiatrischen Feld?
In einer helfenden Beziehung sind wir als Beraterinnen Teil des
Systems, das wir beobachten. Durch unser Verhalten und durch die
Wahl unserer Problembeschreibungen (unserer Erklärungsmodelle
und Diagnosen) tragen wir zur Aufrechterhaltung, Verstärkung oder
zur Auflösung von Problemkonstellationen bei. Abhängig von der
Wahl unserer sprachlichen Beschreibungen können wir gemeinsam
Veränderungsoptimismus fördern und Handlungsoptionen erweitern
oder
die
scheinbare
Unbeeinflussbarkeit
chronischer
Krankheitsverläufe bestätigen. Auch hier gilt, dass die gemeinsam
vorgenommenen Problembeschreibungen nur dann nützlich und
sinnvoll sind, wenn sie dazu dienen, mit einer als belastend erlebten
Situation besser umgehen zu können, sie entweder besser aushalten
oder daraus erweiterte Handlungsoptionen ableiten zu können.
Entwicklungsverläufe
können
wir
dabei
nicht
linear
vorherbestimmen,
wir
können
aber
entwicklungsfördernde
Bedingungen schaffen. Kleine Veränderungen können oft nachhaltige
Wirkungen zeigen, stetige Mühen können in zirkulären Prozessen
ohne Erfolg bleiben. Diese Einsichten stehen mitunter im
Widerspruch zu den in der Sozialpsychiatrie verbreiteten
mechanistischen und linearen Rehabilitationskonzepten.