2.3 KiB
Vater/Partner zu ersetzen; damit gerät er eventuell in eine Konkurrenzbeziehung zu seinen beiden Schwestern. Der Vater (V) agiert auf der Kinderebene. Zwischen ihm und seinen Töchtern gibt es eine diffuse, d. h. sehr durchlässige Grenze. Insofern weist dieses System eine erhöhte „Inzestvulnerabilität“ (Trepper u. Barret 1991) auf, d. h., dieses System ist strukturell gefährdet hinsichtlich der Verletzung des Inzesttabus.
6.6.2.3.3 Ich – Du – Wir und Familie in Kreisen Müssig hat zwei Methoden entwickelt, bei der die Familienmitglieder aufgefordert werden, ihre Familie mithilfe von Symbolen zu zeichnen (Müssig 1991). Sie lassen die Strukturen des Systems erkennbar werden und ermöglichen thematische Hypothesen anhand der von den Familienmitgliedern verwendeten ikonischen Symbole. Darüber hinaus bieten sie einen Freiraum für kreative Gestaltungen; sie sind als Aufgabe während der Sitzung und als „Hausaufgabe“ zu verwenden. Bei Ich – Du – Wir wählen sich die Familienmitglieder Symbole für diese drei Wörter, die zugleich drei Teilsysteme des Gesamtfamiliensystems darstellen. Sie können ein DIN-A3Zeichenblatt dafür verwenden. Allein schon die Positionierung auf dem Blatt (z. B.: Wird ganze Blatt oder nur ein Teil davon genutzt?) und die Wahl der Symbole lässt Hypothesen über die Selbstwert- und Identitätszuschreibung der Familienmitglieder hinsichtlich ihrer Person und der ganzen Familie zu. Wenn z. B. der Sohn die Mutter als Maus, den Vater als Löwen und sich selbst als kleines Vögelchen malt, dient dies als Beitrag zur Hypothesenbildung bezüglich der Machtverhältnisse in der Familie. Diese Bilder können als Ausgangspunkt für ein Gespräch mit der Familie zum Thema „Welchen Platz findet jedes Familienmitglied in diesem System?“ genutzt werden. Familie in Kreisen folgt dem gleichen Muster, nur dass hier das Symbol selbst, ein Kreis, für jedes Familienmitglied vorgegeben wird. Hier können kleine oder große, dick abgegrenzte oder gepunktete, eingedellte (beschädigte) oder ganze Kreise verwendet werden. Sie können in der Mitte des Blattes, ganz außen, weit voneinander entfernt oder ganz nahe gezeichnet werden. Auch das lässt Hypothesen zu und dient als Material für Familiengespräche zu den Themen Selbstwert, Grenzen, Identität und Beziehungsintensität.