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6.6.1.2Positive Konnotation, Reframing und Relabeling

Positive Konnotation umschreibt das Gesamtkonzept der Benennung eines positiven „Bedeutungshofes“ (Pörksen 1989, S. 22) für ein Beziehungsereignis. Im Feld von Sozialer Arbeit und Therapie bezieht sich dieser Begriff auf alle Formen der positiven Bewertung eines bisher als problematisch, auffällig, krank bezeichneten Verhaltens. Diese „Umwertung“ wird als Methode verwendet. Die Idee der positiven Konnotation ist schon in dem von der PaloAlto-Gruppe entwickelten und von Ericksons Hypnotherapie beeinflussten Konzept der Symptomverschreibung bzw. paradoxen Intervention enthalten.7 Hier wird die in Therapie befindliche Person aufgefordert, nicht mehr gegen das bisher als problematisch bezeichnete Verhalten zu kämpfen, sondern es in einem anderen Kontext gerade zu zeigen. Dieser Kontext definiert das bisher negativ bewertete Verhalten in ein nützliches Verhalten um. Die paradoxe Intervention ist im weiteren Verlauf wegen ihrer rein strategischen Absicht kritisch diskutiert worden. Unter einer rekonstruktivistischen Perspektive kann man als Therapeutin zwar eine paradoxe Absicht haben, ob sie aber von der Adressatin der Intervention umgesetzt wird, ist weniger eine Frage der ausgefeilten Technik als der Passung zwischen der Aufgabe und der kognitiv-affektiven Landkarte dieser Person bzw. des Familiensystems. Die erste Mailänder Gruppe verstärkte die im Konzept der paradoxen Intervention enthaltene Idee der Nützlichkeit des bisher als krank und damit negativ bewerteten Symptoms: Die Symptomträgerin schützt mit ihrem Symptom andere Familienmitglieder und erhält die Balance des Systems. Es entstand das Konzept der positiven Konnotation: Das bisher als problematisch definierte Verhalten erhält einen positiven „Bedeutungshof“ (siehe 2.4.3.2.2.2.1). Der „Symptomträgerin“ wird offen der Respekt für ihre Leistung des Systemerhaltes bekundet. Der zehnjährige Ernesto macht seiner Familie große Sorgen, weil er sich nach dem Tod des Großvaters als dessen Statthalter in der Familie positionierte. Er verhielt sich „wie ein Achtzigjähriger“ und