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Cecchin hat das Konzept der Neutralität um die Neugier der
Professionellen auf die Lebenswelt der Auftraggeberinnen, ihre
Kompetenzen für problemerzeugende und problemlösende Muster,
Verhaltensweisen und Zielsetzungen erweitert (Cecchin 1988). Dazu
gehört auch die Neugierde der Professionellen auf ihre eigenen
Möglichkeiten: Wie hätten sie sich an der Stelle ihrer
Auftraggeberinnen in vergleichbaren Situationen verhalten, welche
Bewältigungsformen hätten sie gewählt, wie erfolgreich wären sie
gewesen? Auch die Neugierde auf die in der Gesprächssituation mit
den Adressatinnen entstehenden eigenen Gedanken und Gefühle sind
Teil dieses Konzeptes.
Ich schlage vor, Allparteilichkeit und Neutralität als zwei
notwendige und gleichberechtigte Konzepte zu verstehen, die
unterschiedliche, aber zusammengehörige Schwerpunkte des
professionellen Handelns benennen. Erst in der Dialektik von
Allparteilichkeit und Neutralität, empathischer Nähe und analytischer
Distanz,
randständiger
und
zentraler
Position
im
Unterstützungssystem entfaltet sich die ganze Kraft beider Konzepte.
Interesse und Respekt sind die sie verbindenden Begriffe.
Interesse lässt sich vom lat. interesse ableiten („dabei, dazwischen,
inmitten sein“). Interesse benennt also eine durch die
Aufmerksamkeit für die anderen und sich selbst gekennzeichnete
Begegnung, in der die Frage entstehen kann: „Was wünscht du dir
von mir, um dich als wertvollen Menschen erfahren zu können?“,
bzw.: „Was wünsche ich mir von mir selbst, um dies zu erreichen?“
Respekt lässt sich aus dem lat. respicere („zurückblicken“) ableiten.
Respekt meint also, die bisherigen Leistungen eines Menschen im
Lebensalltag und in den aus ihm herausgehobenen besonderen
Lebensereignissen zu würdigen, indem man seine Aufmerksamkeit
auf den Kontext und damit auch auf den Möglichkeitsspielraum des
betreffenden Menschen lenkt. Dann wird der Eigensinn vieler bislang
als defizitär oder pathologisch gewerteter Handlungen verstehbar,
und es eröffnet sich das Feld der Kompetenzen und Ressourcen: „Wie
haben Sie das überhaupt geschafft?“