2026-001/documents/systemische-modelle-soziale-arbeit/pages/428.md

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19 Komplementär zu einer Übertragung seitens der Analysandin
entwickelt die Analytikerin eine Gegenübertragung: Wird sie z. B. in
der Übertragungsfantasie ihrer Patientin zur alles gewährenden und
verstehenden Idealmutter, entsteht in ihrer eigenen Fantasie das Bild
der Patientin als einer hilfsbedürftigen, zu bemutternden Tochter. Die
Analytikerin
lernt
durch
ihre
eigene
Lehranalyse,
die
Gegenübertragungsfantasien technisch zu nutzen, d. h., bei sich
wahrzunehmen und zu deuten. Von ihnen kann sie auf die
psychischen Prozesse ihrer Patientin schließen und deren Äußerungen
im psychoanalytischen Dialog verstehen. Das ergibt die Grundlage für
ihre Deutung dieser Äußerungen.
20 Diese Ergebnisse müssen auf lösungsorientierte kurzzeit- und
systemtherapeutische Konzepte eingeschränkt werden (vgl. de
Shazer 1989, Kim Berg 1992). In diesen spielt die am Anfang
hergestellte Zielvereinbarung und Auftragserteilung eine wichtige
Rolle in der Therapie- und Veränderungsmotivation. In der völlig
anders angelegten psychoanalytischen Langzeittherapie werden
Veränderungen in einer viel längeren Zeitspanne erwartet und
akzeptiert.
21 Die US-amerikanischen Begriffe hießen: community planning for
social welfare, community organisation, community developement.
Geschichtlich bezogen sie sich entweder auf die Koordination und
Planung
quartiersbezogener
(Selbst-)Hilfen
in
städtischen
Armutsgebieten respektive auf die Entwicklung ländlicher
Kooperationsstrukturen. Der niederländische Begriff hieß übersetzt
gesellschaftliche Aufbauarbeit und bezog sich auf die Entwicklung von
Gemeinwesen in den dem Meer abgerungenen Poldergebieten.
Daneben hatte es schon lange, angestoßen durch die „SettlementBewegung“, die „Nachbarschaftsheime“ gegeben.
Zum Überblick über die Geschichte der GWA vgl. die
Lexikonbeiträge von C. W. Müller (1996, S. 232 f.) und Oelschlägel
(1994, S. 198 ff.). Ausführliche Informationen finden sich in C. W.
Müller (1988, Bd. 1, S. 2188, Bd. 2, S. 97132); ausführlich zur
ausländischen und deutschen Geschichte der Settlement-Bewegung