2026-001/documents/systemische-modelle-soziale-arbeit/pages/377.md

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können. Die systemische Sicht führt nicht zur Verdunstung der
Subjektivität, sondern zur Aufhebung der Trennung zwischen
dem einen und dem anderen. Persönliches Wachstum ist in
diesem Sinne immer ein sozialer und kommunikativer Prozess;
die Lösung eines persönlichen Problems ist sein Ergebnis, also
keine individuelle Heldentat.
„Rehearsal“: In der Gruppe ist das Probehandeln möglich und
erwünscht. Problematische Situationen, z. B. das gefürchtete
Gespräch mit einem Lehrer, lassen sich im psychodramatischen
Rollenspiel vorwegnehmen. Dabei können Verhaltensstrategien
und Verhaltensweisen im Hinblick auf das gewünschte Ziel
entwickelt und im virtuellen Rahmen ausprobiert werden
(Ritscher 1998, S. 281 ff.).
„The
Strength-in-numbers-phenomenon“:
In
der
Gruppensolidarität wachsen Mut und Risikobereitschaft. Das
kann sich sowohl auf die Thematisierung schwieriger und
tabuisierter Themen beziehen wie auch auf das gemeinsame,
solidarische Handeln. Letzteres ist vor allem für die
Gemeinwesenorientierung der sozialen Gruppenarbeit wichtig.
Shulman berichtet von einer Gruppe sexuell misshandelter
Frauen, die einen öffentlichen „Take-back-the-night“-Marsch
organisierte, um der öffentlichen Tabuisierung männlicher
Gewalt entgegenzuwirken. Diese solidarische Aktion der Frauen
erforderte eine stete gegenseitige Ermutigung, die von der
Gruppe getragen wurde (Shulman 1992, S. 583 ff.).