2026-001/documents/systemische-modelle-soziale-arbeit/pages/347.md

2.2 KiB
Raw Blame History

Problemen, Problemlagen und gesellschaftlichen Einflussfaktoren wird zunehmend ein Thema der Systemtherapie (Ritscher 1991). Damit wird die Kontextabhängigkeit aller systemischen Prozesse eines der grundlegenden systemischen Prinzipen in ihrer ganzen Tragweite anerkannt. Dass Soziale Arbeit mit Familien spezielle an den Aufträgen und den ökosozialen Systemebenen orientierte Handlungsformen benötigt, haben Kim Berg (Kim Berg 1992) und Imber-Black (Imber-Black 1990) gezeigt. Dies ist auch eine grundlegende These der vorliegenden Arbeit. Eine systemisch begründete Einzelfallarbeit kann auf den Vorteil verweisen, dass sie sich nahtlos in das Gesamtkonzept einer Sozialen Arbeit auf systemischer Grundlage einfügen lässt und theoretische, methodische, kontextuelle Verbindungen zu den anderen Handlungsbereichen sozialer Gruppenarbeit, Gemeinwesenarbeit, Arbeit in sozialen Organisationen und Qualitätssicherung aufweist. Hilfreich für die systemische Soziale Arbeit ist ein von Shulman beschriebenes Prozessmodell der Einzelfallhilfe. Er identifizierte vier Phasen des Hilfeprozesses (Shulman 1992, S. 53 ff.): „preliminary“ alles, was sich vor dem Erstgespräch ereignet und es strukturell beeinflusst, z. B. der institutionelle Kontext, kulturelle Einstellungen zu Krankheit, Not, Hilfsbedürftigkeit und öffentliche Hilfen; „beginning and contracting“ die Phase, in der ein „Arbeitsbündnis“ (Stierlin et al. 1977) angestrebt und eventuell erreicht wird; „the middle or work phase“ hier geht es um die direkte Arbeit am benannten Problem; „ending and transition phase of practice“ Abschluss der gemeinsamen Arbeit und die Öffnung für neue Erfahrungen und alltägliche Unterstützungssysteme. Mithilfe dieses Phasenmodells lässt sich ein längerfristiger Beratungsprozess strukturieren. Es ist auch in der alltäglichen Bezirkssozialarbeit anwendbar; z. B. erhalten dadurch diskontinuierliche und sich über einen langen Zeitraum hinweg erstreckende Kontakte einen inneren roten Faden, der das systematische und zielorientierte Handeln erleichtert. Um die mit den Auftraggeberinnen gemeinsam festgelegten Ziele durch Einzelfallhilfe zu erreichen, ist eine Orientierung an den