2026-001/documents/systemische-modelle-soziale-arbeit/pages/311.md

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Selbstwertgefühl, vertrauenswürdige soziale Beziehungen, soziales
Prestige und flexible kognitiv-affektive Schemata zurückgreifen,
werden viele Anforderungssituationen als zu meisternde Aufgaben, d.
h. als eine milde Form von Stress, erlebt. Unter ungünstigeren
Umständen dagegen könnten die gleichen Anforderungen als
hochgradiger Stress interpretiert werden. In diesem Fall ist für die
Handelnden zunächst nicht klar, ob für die Bewältigung der Situation
ausreichende Ressourcen zur Verfügung stehen. Auch hier kann sich
durch eine erhöhte Anstrengung bei der Ressourcenmobilisierung die
Zuversicht in Bezug auf das Gelingen der Bewältigung einstellen. Im
ungünstigsten Fall wird die Situation als Überwältigung empfunden,
d. h., sie enthält Stressoren, die aus der Sicht des betroffenen
Systems nicht zu bewältigen sind. Entsteht eine solche Einschätzung
der Situation, wird ein Misserfolg antizipiert. Diese Einschätzung wirkt
sich, wie die Forschung zum Misserfolgsmotiv und der erlernten
Hilflosigkeit zeigen, äußerst ungünstig aus, vor allem, wenn es sich
um ein in Wiederholungssituationen gebildetes Muster handelt
(Heckhausen 1974a, b; Seligman 1983). Dann entsteht eine
Eigendynamik, in der alle Rückmeldungen über das eigene Handeln in
der Situation negativ bewertet werden und den eigenen Antrieb zur
Ressourcenmobilisierung immer mehr hemmen. Im Kontext dieser
negativen Feedback-Spirale dient jede Rückmeldung der Bestätigung
des eigenen Vorurteils: „Ich kann nicht erfolgreich sein.“
Lazarus hat den Prozess Stressbewältigung, der schon mit der
Wahrnehmung der Stressoren beginnt, in vier Phasen unterteilt.
(Germain u. Gitterman 1983; Lazarus u. Launier 1981; Jerusalem
1990).
1. Phase: Die primäre Bewertung. „Wenn wir auf eine
schwierige Lebenslage treffen, nehmen wir, bewußt oder
unbewußt, eine Ersteinschätzung (primary appraisal) vor. Indem
wir uns selber fragen Was ist die Bedeutung dieses Problems?
oder Habe ich Schwierigkeiten, oder ist das eine
Herausforderung?, gelangen wir mit unserer Begutachtung zu
einem Urteil darüber, ob das Vorkommnis irrelevant, gutartig