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in Selbstvorwürfen und Selbstbeschimpfungen äußert und bis zur wahnhaften Erwartung von Strafe steigert“ (ebd.). Im Unterschied zur Trauer bleibt der Mensch in der Melancholie auf den Verlust fixiert und wendet diesen durch Selbstvorwürfe gegen die eigene Person. Er verstrickt sich in einer negativen Feedback-Spirale mit Rekurs auf sich selbst; die Trauer verliert den Charakter eines sich selbst auflösenden Prozesses und wird chronifiziert. 12 Drei Tage des tiefen Schmerzes und sieben Tage der Trauer lassen die Zurückbleibenden ganz bei sich sein – sie werden dabei von ihrer erweiterten Familie, der Nachbarschaft und der „Chewra Kadischa“ unterstützt. Es folgen dreißig Tage der allmählichen Wiederanpassung und elf Monate der Erneuerung und Heilung. Auch das gemeinsam mit den Sterbenden gesprochene „Sch’ma Israel“, das Totengebet nach ihrem letzten Atemzug („Kaddisch“), die expressive Totenklage und das Symbol des ein ganzes Jahr über brennenden „ewigen Lichtes“ („Ner Tamid“) dienen diesem zeitlich strukturierten Prozess der allmählichen Heilung (siehe de Vries 1994). Die „Chewra Kadischa“ („Heilige Vereinigung“) ist ein Wohltätigkeitsverein von Männern und Frauen, der innerhalb der jüdischen Gemeinde die ehrenamtliche Pflicht (hebr. „Mizwa“) zur Unterstützung der Hinterbliebenen übernimmt. Er organisiert die Versorgung und Beerdigung der Toten, den religiös-psychischen Beistand für die Trauernden und deren Versorgung während der Trauerwoche, in der diese das Haus nicht verlassen (siehe ebd., S. 282 ff.). 13 Eine wechselseitige Beschreibung von Delegationen verhindert die diesem Konzept innewohnende Gefahr der auf die Eltern gerichteten kausal-linearen Ursachenzuschreibung und der Pathologisierung ihres Verhaltens. Dabei muss man nur die von Stierlin in Das Tun des Einen ist das Tun des Anderen (Stierlin 1972) entfalteten dialektischen Perspektive ernst nehmen. 14 … wie es in dem Lied Wenn der Senator erzählt von Franz Josef Degenhardt ironisch heißt (Degenhardt 1992).