2026-001/documents/systemische-modelle-soziale-arbeit/pages/246.md

41 lines
1.9 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters

This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

4.2.2.5.1 Die Trennung durch den Tod
In diesem Fall geht es um die existenzielle Perspektive des Lebens:
Sterben als Paradigma von Endlichkeit und Begrenzung, Trennung als
Lebensaufgabe von der Geburt bis zum Tod. Zwei Menschen sind
miteinander alt geworden das ist das große Ideal, unter dem die
meisten langfristig angelegten Partnerschaften auch heute noch
stehen.
Diese letzte Phase des gemeinsamen Lebens lässt sich unterteilen
in das gemeinsame Leben im Horizont des möglichen Todes und die
Zeit nach der durch ihn erfolgten Trennung und die sich daran
anschließende Übergangskrise.
In der gemeinsam erlebten Zeit vor dem Tod geht es u. a. um
folgende Fragen: „Wer bleibt zurück?“ „Welches Vermächtnis
übernimmt die Weiterlebende?“, „Was kompensiert die durch
den Tod der Partnerin entstehende lebenspraktische und
psychische Lücke?“, „Was bleibt an die gemeinsame
Lebensspanne überdauernden Erinnerungen?“, „Wie sieht deren
Bilanz aus?“, „Können wir uns im Fall langwieriger Krankheiten
selbst versorgen?“ Das Thema des einen ist in diesem Fall auch
das Thema der anderen: Krankheit und Tod der Partnerin
konfrontieren die andere immer auch mit dem eigenen
Lebensende.
Das
Paar
lebt
mehr
oder
weniger
metakommunikativ mit diesen Fragen: Sie können viel oder
wenig darüber sprechen, in Andeutungen oder direkt, allein
oder in Anwesenheit von Kindern, mit Verwandten der gleichen
Generation oder Freundinnen. Und sie können in verschiedenen
Formen darüber sprechen: rational distanziert oder mit starken
Emotionen, ängstlich oder mit der Zuversicht auf einen
versöhnten Abschied, eher die Unterschiede oder eher die
Gemeinsamkeiten betonend. Diese Kommunikation im Horizont
des Beziehungsendes bietet vielfältige Möglichkeiten, das
eigene Leben zu bilanzieren und sich der von Erikson in seinem
Lebenszyklusmodell beschriebenen Weisheit des Alters zu
nähern (Erikson 1971).