2026-001/documents/systemische-modelle-soziale-arbeit/pages/243.md

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Distanz nutzen?“; die entsprechende Frage im persönlichen Lebenszyklus lautet: „Welche Hoffnungen, Wünsche, Erwartungen waren in meinem bisherigen Leben realisierbar, welche sind im Lebenslauf verronnen, welche gibt es noch, was davon möchte ich weiterverfolgen, wo ist eine Umorientierung notwendig?“ Es leuchtet ein, dass die Antworten auf diese Fragen von großer Bedeutung für alle drei Lebenszyklusformen sind. Der Blick zurück auf die bisherige persönliche Biografie und der Blick auf die Zukunft werfen Licht und Schatten auf das bisherige Paar- bzw. Familienleben. Im persönlichen Lebensentwurf kann die Paarbeziehung eher als Störungsfaktor definiert sein und zu einer weiteren Distanzierung führen; alternativ dazu kann sie als eine wichtige Stütze auf dem Weg des Altwerdens verstanden werden, was Begegnung und Intimität fördert. Umgekehrt können neue Perspektiven für die Paarbeziehung Lebensmut und Initiative in der neuen Phase des persönlichen Lebenszyklus stärken. Das sich am Verhalten und an der Erfahrung orientierende Ideal, das in dieser Phase zur persönlichen Weiterentwicklung beiträgt, heißt: Selbstvertrauen und Vertrautheit. Die gegenseitige Vertrautheit zieht einen Rahmen für persönliche Entwicklungen außerhalb der Paarbeziehung, aber nicht gegen sie. Ein Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten kann z. B. dem bisher karriereorientierten Partner den Blick auf das Leben jenseits des beruflichen Erfolges, der bisher familienorientierten Partnerin den Einstieg in ein Berufsfeld außerhalb des eigenen Haushaltes eröffnen. Die Ressourcen für diese Neuorientierung liegen in der Rückbesinnung auf wertvolle gemeinsame Erfahrungen, dem Wissen um eine Beziehung, die allen bisherigen Krisen des Alltags standgehalten hat, und der in vielen Szenen des Alltags entwickelten Fähigkeit, Grenzen zu setzen und zu respektieren. Darüber hinaus eröffnet sich die Möglichkeit, bisher wenig beachtete Ressourcen der erweiterten sozialen Systeme, z. B. in Verwandtschafts- und Freundschaftsbeziehungen, für den Weg jenseits der Lebensmitte zu erschließen.