2026-001/documents/systemische-modelle-soziale-arbeit/pages/230.md

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4.2.2.1Die instabile Anfangsphase Nehmen wir auch hier den Normalfall: die beginnende intime Beziehung zwischen einer Frau und einem Mann. Damit ist keine Wertung verbunden; die gleiche Beschreibung kann für zwei Männer oder für zwei Frauen gelten. Es treffen sich zwei Menschen und finden Gefallen aneinander. Die für diese Phase spezifische Beziehungsaufgabe besteht in dem wechselseitigen Austesten der Beziehungsmöglichkeiten und der Einigung auf eine Beziehungsdefinition, die den Einstieg in eine längerfristig zu gestaltende Dyade ermöglicht. Dadurch wird auch eine erste Beziehungsidentität gefunden. Die Eckpunkte dieser Beziehungsdefinition lassen sich als Fragen formulieren: „Wie stehen wir zueinander?“ „Wer bist du, wer bin ich?“ „Was möchten/wünschen/erwarten wir voneinander, was nicht?“ „Wovor habe ich Angst, wovor du?“ „An welchem Punkt wünsche ich mir etwas anderes, als du mir im Augenblick anbietest?“ Durch die Beziehungsdefinition wird eine erste Kontinuität in der Beziehung ermöglicht; das stiftet Vertrauen und Sicherheit. Das Sinn gebende Ideal dieser ersten Phase ist das der alles umfassenden, unbedingten Liebe: eins sein ohne Wenn und Aber, grenzenlos, ohne Beschränkung in Raum und Zeit; Suche nach dem ganzen Glück, dessen schon kurze Erfüllung lange Wegstrecken der Sehnsucht und der Verzweiflung aushalten lässt. Die diesem Ideal zugehörige subjektive Erfahrung hat Freud im Anschluss an Romain Rolland als „ozeanisches Gefühl“ bezeichnet (Freud 1972 a, S. 422). Wenn wir uns dieser Metapher assoziativ überlassen, so spüren wir selbst die unendliche Endlichkeit des Horizontes, wärmende Sonne und eisige Kälte, Wellen, Wind und Sturm, aber auch friedliche Weite, freundliche Wogen und den Ruhe versprechenden Hafen.