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Raw Blame History

3.3.5 Kultur, Alltag und soziale Kommunikation Dieses gesellschaftliche Teilsystem kennen wir vor allem über das berühmt gewordene Stichwort von Ulrich Beck zu diesem Bereich: Er weist auf, dass unsere heutige Kultur einem Trend zur „Individualisierung“ unterliegt, der den Alltag bzw. das Alltagshandeln der Menschen grundlegend verändert. Damit ist gemeint, dass Traditionen aufgeweicht bzw. abgeschwächt werden und einem ständigen Legitimationsdruck unterliegen. Traditionelle Moralcodices und Rollenbestimmungen sind nicht mehr selbstverständlich und werden verändert. Allgemein gültige, für Frauen, Männer und ihre Beziehung geltende Verhaltenserwartungen und -regulierungen werden abgelöst durch von den Einzelnen für sich selbst scheinbar selbst bestimmt hergestellte Werte, Normen und Regeln. Das bringt auch einen neuen Zwang mit sich: Die Zulässigkeit des selbst gewählten Verhaltens und im weiteren Sinne des eigenen Lebensentwurfes muss immer wieder neu mit den Beziehungspartnerinnen ausgehandelt werden. Darin liegt bei aller Individualisierung die Beziehungsperspektive in der „Postmoderne“.9 Die im Lebenslauf hergestellten und veränderbaren Lebensentwürfe der Einzelnen sind nicht mehr vorherbestimmt wie im „Ancien Régime“ (vgl. Ariès 1975), im Feudalismus, in agrarischen Gesellschaften. Für diese war klar: Der Stand, der Raum, das Dorf, die Stadt, in die jemand hineingeboren wurde, blieben ein Leben lang unveränderlich. Auch die Verhaltenserwartungen, mit denen damals ein Kind am Anfang seines Lebens konfrontiert wurde, blieben bis zum Ende seines Lebens gültig. Diese Zwangsverhältnisse lösen sich im Rahmen der Individualisierungstendenz (von der Idee her vollständig, realiter zum Teil) auf. Wie alles, zeigt sich auch diese Entwicklung janusköpfig:

Die positive Seite: Im Trend der Individualisierung ist es möglich, unsere Verhaltensweisen vor dem Hintergrund von uns selbst gesetzter bzw. individuell akzeptierter Normen und Werte selbst zu wählen. Wir sind nicht gezwungen, uns von